Videospielkonsolen für Senior*innen im Praxistest

In einer von Technologie und Digitalisierung geprägten Welt haben Videospiele längst ihren Platz nicht nur in der Unterhaltungsindustrie, sondern auch im Bereich der Gesundheitsförderung gefunden. Gerade für ältere Menschen können Videospiele eine wertvolle, wenn auch vielleicht etwas ungewöhnliche Quelle für geistige und körperliche Aktivität sein. Seniorengerechte Videospiele

  • bieten kognitive Herausforderungen durch komplexe Aufgaben,
  • erfordern präzise Bewegungen und stärken so die Hand-Augen-Koordination,
  • fördern das Gedächtnis, weil Spieler*innen sich Details und Abläufe merken müssen,
  • können Stress reduzieren und sich positiv auf das emotionale Wohlbefinden auswirken,
  • regen zu körperlicher Bewegung an (zumindest, wenn es sich um „Fitnessspiele“ handelt)
  • und können auch ein „soziales“ Event sein, wenn sie in der Gruppe gespielt oder begleitet werden.

Für das Wernigeröder Reallabor TAKSI (Technikakzeptanz und Soziale Innovation) wurde daher schon vor Jahren eine sogenannte memoreBox angeschafft und ausgiebig getestet. Dabei handelt es sich um eine therapeutische Videospiel-Plattform speziell für Seniorinnen und Senioren, die nicht über einen klassischen Controller, sondern über die von einer Kamera erfassten Bewegungen des eigenen Körpers gesteuert wird. Auf diese Weise können therapeutische Videospiele auch von solchen Personen genutzt werden, die mit der Bedienung von Spielkonsolen lebensbiographisch nicht vertraut oder in ihrer Feinmotorik eingeschränkt sind. Mit seniorengerechten Spielthemen können die Nutzerinnen und Nutzer nicht nur zu körperlicher Aktivität, sondern auch zu Gedächtnisübungen motiviert werden, bei denen etwa Liedzeilen aus bekannten Volksliedern rezitiert werden müssen. Über die bisherigen Erfahrungen mit der Nutzung dieses Systems in Pflegesettings informieren beispielsweise (Schröder, 2021) oder (Simond, Klös & Baldauf, 2019). Über die in Wernigerode gesammelten Erfahrungen sowohl mit der memoreBox als auch mit der Nintendo Switch berichten die Kolleginnen und Kollegen in den beiden folgenden Videos.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die vielfältigen positiven Auswirkungen auf die geistige und körperliche Fitness älterer Menschen nahelegen, dass Videospiele weit mehr sind als nur Unterhaltung – tatsächlich könnten sie ein Schlüssel zur Förderung eines gesunden und aktiven Alterns sein. In Anbetracht der ständigen technologischen Entwicklungen und der steigenden gesellschaftlichen Akzeptanz von Videospielen auch und gerade in Verbindung mit der Idee vom „älteren Gamer“ lohnt es sich zweifellos, das  Thema weiter im Auge zu behalten.

Schröder, D. (2021). Exergames zur Förderung der körperlichen Aktivität und Mobilität in der stationären Langzeitpflege: Ein Überblick. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie.

Simond, S. H., Klös, T. & Baldauf, N. (2019). Memorebox – Spielerische Gesundheitsförderung im Seniorenheim. Pixeldiskurs-Podcast (151).