Schlagwort Archiv: Pflege

Call for Papers: Gesundheits- / Pflegewirtschaft an der HS Harz

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Fachtagung: Gesundes Unternehmenswachstum in der Pflege- und Gesundheitswirtschaft – Betriebswirtschaftliche und technische Lösungen aus Wissenschaft und Forschung

19.05.2016 – Hochschule Harz – Wernigerode

Die demografisch bedingt steigende Nachfrage nach Gesundheits- und Pflegedienstleistungen hat zu einem beschleunigten Wachstum vieler Dienstleistungsanbieter über die in dieser Branche üblichen Größen hinaus geführt. Mit zunehmender Größe sehen sich viele dieser Dienstleister mit einer Vielzahl für sie neuer organisatorischer und betriebswirtschaftlicher Herausforderungen konfrontiert. Antworten auf einige dieser Herausforderungen können im Rahmen gemeinsamer Projekte von Hochschulen und Unternehmen gefunden werden.

Die Hochschule Harz führt am 19.05.2016 auf ihrem Wernigeröder Campus erstmalig eine interdisziplinäre Konferenz zum Thema „Gesundes Unternehmenswachstum in der Pflege- und Gesundheitswirtschaft“durch. Neben zwei Keynote-Präsentationen und Vorträgen von neun eingeladenen Hochschul-Experten/innen sind eine Postersession und ein Tagungsband geplant, zu dem noch bis zum 25.04.2016 Beiträge mit maximal 3.500 Worten (Word, Open Office, Libre Office) zuzüglich jeweils eines A0-Posters (PDF, JPG, Corel Draw) eingereicht werden können. Die Einreichung erfolgt per E-Mail an: creinboth(at)hs-harz.de. Beiträge sollten sich an einem oder auch mehreren der drei hier nachfolgend benannten Themenbereiche ausrichten. Einige beispielhafte Forschungsfragen sind aufgeführt.

  • Change Management im Pflege- und Gesundheitswesen: Wie können Unternehmen aus dem Gesundheits- und Pflegewesen betriebswirtschaftlich und organisatorisch mit überproportional starkem Wachstum umgehen? Wie können neuartige Formen der (Ablauf- oder auch hierarchischen) Organisation gemeinsam mit der Belegschaft umgesetzt werden? Wie kann die Qualität pflegerischer Leistungen auch in Zeiten von Umbruch und Reorganisation sichergestellt werden?
  • Einsatz neuer Technologien im Pflege- und Gesundheitswesen: Inwieweit können Pflegekräfte durch den Einsatz neuer Techniken in der Praxis entlastet werden? Wie ist es in verschiedenen Gesundheitsberufen um Interesse an und Akzeptanz für neue Technologien bestellt? Können AAL-Systeme autonomes Leben von Senioren/innen fördern – oder führen sie zu neuen Abhängigkeiten?
  • Prozess- und Organisationsoptimierung im Pflege- und Gesundheitswesen: Welche neuartigen Formen der gesundheitlichen Versorgung bieten sich für den ländlichen Raum an? Wie können Prozesse in der Pflege entbürokratisiert werden? Was können Pflege- und Gesundheitsdienstleister von Unternehmen aus der Tourismusbranche über die Organisation und Qualität von Versorgungsprozessen lernen?

Eine Formatvorlage für Paper und Poster wird nicht vorgegeben, die Formatierung der Paper für den Tagungsband wird durch das Organisationsteam übernommen. Die Formatierung der Poster sollte im Design der Institution der Einreicher erfolgen, Druck und Laminierung der Poster werden durch die Hochschule Harz übernommen. Über die Auswahl der Beiträge entscheidet ein interdisziplinär besetztes Fachgremium.

Fragen zur Veranstaltung beantwortet Ihnen gerne:

Christian Reinboth
Stabsstelle Forschung Hochschule Harz
Friedrichstraße 57-59 38855 Wernigerode

Tel.: 03943 659 896
creinboth(at)hs-harz.de

Tagungswebseite: https://www.hs-harz.de/forschung/gesundheitswirtschaft2016/

Workshop zur Vereinbarkeit von Berufsleben und Angehörigenpflege

(Pressemitteilung der Hochschule Harz)

Seit einem Jahr beschäftigt sich die an der Hochschule Harz angesiedelte Projektgruppe „LEB Wernigerode“ (Lebenslagenorientiertes Entwicklungs- und Bedarfskonzept) mit der Frage, wie sich Kommunalverwaltungen auf die zunehmende Anzahl von Berufstätigen einstellen sollen, die parallel ältere Angehörige pflegen. In Deutschland sind ca. 15 Prozent aller Beschäftigten in der Angehörigenpflege aktiv; sie wenden dafür 15 bis 35 Stunden pro Woche auf – eine Belastung, die nicht nur Probleme im Beruf, sondern auch ein erhöhtes Krankheitsrisiko zur Folge haben kann.

Gefördert vom Land Sachsen-Anhalt setzt die Stadt Wernigerode die Implementierung einer „pflegesensiblen Verwaltungskultur“ um. Im Rahmen eines gemeinsamen Transfer-Workshops mit Wissenschaftlern der Hochschule Harz wurden nun die wesentlichen Projektergebnisse im Bürgerpark vorgestellt. Das Fachpublikum umfasste rund 40 Vertreterinnen und Vertreter von Kommunal- und Landesverwaltungen, Kranken- und Pflegekassen sowie verschiedener Unternehmen.

Nachdem Thomas Schatz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Verwaltungswissenschaften, in einem Impulsvortrag die gesetzlichen Rahmenbedingungen vorgestellt hatte, präsentierte Prof. Dr. Birgit Apfelbaum, Hochschullehrerin für Kommunikations- und Sozialwissenschaften in Halberstadt, die Ergebnisse von Interviews und Workshops, die sowohl mit pflegenden Mitarbeitern der Wernigeröder Verwaltung als auch mit dortigen Führungskräften durchgeführt wurden. Dabei zeigte sich deutlich, dass der vorherrschende Wunsch pflegender Beschäftigter nicht etwa in Teilzeitregelungen und beruflichen Auszeiten besteht. Hilfreicher sei eine bessere Vereinbarkeit von Vollzeitarbeit und Pflegetätigkeit durch die Flexibilisierung von Arbeitszeiten. Führungskräfte beschäftigen sich dagegen primär mit der praxistauglichen Gestaltung von Vertretungsregelungen und mit Fragen der Kompensation von nicht vorhersehbaren Arbeitsausfällen. „Um die Familienfreundlichkeit der Verwaltung zu steigern“, so das Fazit der Professorin, „müssen Aspekte der Verwaltungskultur und -organisation in einem koordinierten Prozess verändert werden.“

In einem dritten Vortrag umriss Wernigerodes Hauptamtsleiter Rüdiger Dorff die Maßnahmen, die durch die Stadtverwaltung auf Basis der LEB-Empfehlungen bereits umgesetzt wurden oder noch geplant sind. So sollen sich die Mitarbeiter der Stadt im verwaltungseigenen Intranet über ihre Rechte als pflegende Angehörige informieren können und nach der Benennung einer sogenannten „Pflegepilotin“ eine verwaltungsinterne Ansprechpartnerin haben.

Dorff betonte, dass die Verwaltung die personellen sowie die zeitlichen Investitionen in die Pflegesensibilität nicht nur als Element der Fachkräftesicherung, sondern auch als ein Instrument zur Verringerung krankheitsbedingter Ausfälle betrachte: „Eine dauerhafte Überforderung durch Doppelbelastungen im Berufs- sowie Privatleben führt in vielen Fällen schleichend zu Dauererkrankungen, welche nicht nur das Wohl unserer Beschäftigten, sondern auch die Fähigkeit der Verwaltung gefährden, ihren Aufgaben angemessen gerecht zu werden. Die Deeskalation von Überlastungssituationen ist daher stets im Sinne aller.“

In der abschließenden Diskussionsrunde wurde erneut deutlich, dass ein erster wichtiger Schritt hin zu einer „pflegesensiblen Verwaltung“ in der Ansprache der Führungskräfte sowie in der Schaffung eines Arbeitsklimas besteht, in dem möglichst offen über Belastungen gesprochen werden kann. Zwischen den Gleichstellungsbeauftragten und Personalverantwortlichen der Kommunen, der „Pflegepilotin“ der Stadt Wernigerode sowie dem LEB-Team an der Hochschule Harz wurde weiterführender fachlicher Austausch vereinbart.

LEB-Workshop

Bild (v.l.n.r.): Rüdiger Dorff, Thomas Schatz, Prof. Dr. Birgit Apfelbaum und Jana Diesener beim Workshop zur Vereinbarkeit von Berufsleben und Angehörigenpflege der Projektgruppe „LEB Wernigerode“.

Ein überzeugendes Beispiel für den Wert biografieorientierter Pflege

In meinen Gesprächen mit Pflegekräften und Pflegeplanern im Rahmen der diversen Demografie- und AAL-Projekte, die ich an der Hochschule Harz bislang begleiten durfte und darf, spielt der Wunsch nach einer stärkeren Berücksichtigung der Prinzipien der biografieorientierten Pflege eine spürbar zunehmende Rolle. Dabei ist auch ein Abrücken von der Vorstellung erkennbar, biografieorientierte Pflege primär als Ansatz für die Demenzpflege zu betrachten. Natürlich trifft es zu, dass gerade viele demenzkranke Menschen stärker in der Vergangenheit als in der Gegenwart verhaftet sind, und die Bezugnahme auf biografische Aspekte (wie etwa die Arbeit mit Familienfotos) Pflegekräften sehr dabei helfen kann, einen persönlichen Zugang zu den Betreuten zu schaffen. Auch nicht-demenzkranke Pflegefälle profitieren jedoch enorm davon, wenn Pflegeleistungen nicht mehr nach einem unflexiblen Schema erbracht werden, sondern Rücksicht auf individuelle Erfahrungen, Wünsche und Bedürfnisse genommen werden kann.

So fällt es etwa einer Person, die ihr ganzes Leben lang selbständig gearbeitet hat, natürlich ganz besonders schwer, Eigenständigkeit und Verantwortung an Pflegekräfte abzugeben – und während ein Familienmensch sich vor Einsamkeit im Alter fürchten mag, und sich deshalb sehr gerne ein Pflegezimmer mit anderen teilt, kann genau diese Gesellschaft von einem anderen Pflegefall, der bereits die letzten Jahrzehnte für sich allein gelebt hat, geradezu als eine Strafe und erhebliche Einschränkung der persönlichen Lebensqualität empfunden werden.

Abseits dieser gängigen Beispiele für biografieorientierte Pflege, hatte ich vor einigen Wochen beim 14. Schnittstellenseminar des Berliner Projekts zum Thema “Umgang mit chronischen Wunden in der stationären Altenpflege” – zu dem ich einen Vortrag zu den Rahmenbedingungen für digitale Wunddokumentation beisteuern durfte – die Chance, einem Vortrag von Heike Senge beizuwohnen, die die Pflegeakademie Niederrhein leitet. In ihrem Vortrag berichtete Frau Senge von einem äußerst bedrückenden Fall aus einer von ihr beratenen Einrichtung: Ein älterer Herr, der bereits seit Jahrzehnten unter einer vermeintlich längst austherapierten Inkontinenz litt, und deshalb im Leben auf Familiengründung und Karriere verzichtet und zurückgezogen vor sich hin gelebt hatte, kam in eben diese Einrichtung, in der ihm innerhalb weniger Wochen die Inkontinenz weitgehend abtrainiert wurde. Das eigentlich positive Ergebnis professioneller Pflege stürzte den Mann jedoch in schwere Depressionen, resultierend aus dem Eindruck, zeitlebens sinnlos persönlichen Verzicht geübt und aus unnötiger Scham Distanz zu anderen gewahrt zu haben.

Die Anekdote unterstreicht, dass biografieorientierte Pflege sich nicht nur auf allgemeine Arrangements und den persönlichen Umgang miteinander beschränken muss – vielmehr können sogar medizinisch sinnvolle Maßnahmen vor dem Hintergrund biografischer Kenntnisse kritisch hinterfragt werden. Inwiefern technische Assistenzsysteme einen derartigen Pflegeansatz unterstützen können, wird sicher noch Gegenstand anstehender Sitzungen der Arbeitsgruppe Technik werden – es dürfte jedoch feststehen, dass die gerade für die biografieorientierte Pflege unerlässlichen zwischenmenschlichen Qualitäten durch Technik höchstens ergänzt, nicht aber ersetzt werden können.

Der Foliensatz meines Vortrags über die Chancen der digitalen Wunddokumentation beim 14. Schnittstellenseminar.

Kriterien für die Auswahl von Pflegeprozessen zur weiteren Analyse

Da dem SEVIP&V-Projektteam im Rahmen der ersten InnovaKomm-Förderphase lediglich sechs Monate Zeit zur Verfügung stehen, musste die Anzahl der durch die Arbeitsgruppe Prozessanalyse und -optimierung detailliert zu untersuchenden Pflegeprozesse notwendigerweise eingegrenzt werden. Auf Basis welcher Kriterien sollte jedoch entschieden werden, welchen der zahlreichen in der Pflegepraxis ablaufenden Prozesse besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden soll? Zur Beantwortung dieser schwierigen Frage haben sich Pflegeexperten der MLU Halle, der Hochschule Harz sowie der Xpertcooperation GmbH im Vorfeld der Prozessauswahl auf fünf wesentliche Kriterien geeinigt, die in diesem Blogpost kurz vorgestellt werden sollen:

Fallzahlen: Es sollte sich um Prozesse handeln, die in der stationären Pflege häufig durchlaufen werden müssen, um auch bei einer regional begrenzten Anzahl von Projektpartnern aus der Pflegepraxis ausreichende Fallzahlen für eine Untersuchung der Einspar- und Qualitäts-Effekte liefern zu können. Darüber hinaus ist bei Prozessen mit hohen Fallzahlen eher zu erwarten, dass eine Reduktion der Prozesslaufzeit zu signifikanten Ersparnissen führt.

Dokumentationsbezug: Da eine der zeitsparendsten und für die Nutzer angenehmsten Features des intendierten Pflege-Assistenzsystems die teilweise Entlastung bei der schriftlichen Dokumentation von pflegerischen Tätigkeiten sein wird, sollte es sich vornehmlich um solche Prozesse handeln, in denen eine Dokumentation vorgeschrieben ist.

Logistikbezug: Da eines der zentralen Features des intendierten Pflege-Assistenzsystems die Integration einer Logistikunterstützung sein wird, sollten mindestens einige der für ein Demonstrationsvorhaben selektierten Prozesse einen logistischen Bedarf aufweisen (z.B. den Umgang mit Verbrauchsmaterial, Medikamenten oder Lebensmitteln).

Prozessumfang: Die ausgewählten Prozesse sollten sowohl hinsichtlich ihres Umfangs als auch hinsichtlich ihrer Komplexität noch so überschaubar sein, dass sie sich sinnvoll in Form grafischer Prozessketten darstellen lassen. Außerdem sollte es (auch im Hinblick auf die Innovationsstrategie) noch gut möglich sein, Ablauf und Bedeutung der Prozesse laienverständlich erklären zu können.

Relevanz für die ambulante Pflege: Da das intendierte Pflege-Assistenzsystem perspektivisch auch in der ambulanten Pflege zum Einsatz kommen soll, erscheint die Auswahl solcher Prozesse aus der stationären Pflege sinnvoll, die auch eine Entsprechung in der ambulanten Pflege haben. Kann erfolgreich demonstriert werden, dass das intendierte Pflege-Assistenzsystem zeitliche und qualitative Optimierungen in der stationären Pflege bietet, wäre es für die Evaluation des Systemwerts durch einen potentiellen Mittelgeber sinnvoll, wenn ein äquivalenter Nutzen auch für die ambulante Pflege zu erwarten wäre.

Auf Basis dieser Kriterien wurde eine ganze Reihe von Pflegeprozessen identifiziert (u.a. der Wechsel von Inkontinenzhilfen, die Dokumentation der täglichen Flüssigkeitsaufnahme sowie die Durchführung von Dekubitus-Präventionsmaßnahmen), aus denen letztendlich die drei hier im Blog schon im Dezember vorgestellten Prozesse (morgendliche Grundpflege, Medikamentenverwaltung und -ausgabe sowie Wunddokumentation und -versorgung) ausgewählt wurden. Für diese Prozesse liegen der Arbeitsgruppe inzwischen digitale Modelle aus vier stationären Pflegeeinrichtungen und einem ambulanten Pflegedienst vor, die am kommenden Mittwoch, den 14.01.2015, im Rahmen des nächsten Arbeitsgruppen-Treffens (ab 14:00 Uhr im Innovations- und Gründerzentrum Wernigerode) präsentiert und diskutiert werden sollen. Die Ergebnisse dieses Treffens werden dann natürlich wieder zeitnah im SEVIP&V-Projektblog zusammengefasst.

Prozesskette

Erfolgreicher Start für Halberstädter Demografie-Projekt

Eine große Chance für Halberstadt und das Land Sachsen-Anhalt – so charakterisierte Gastredner Theo Struhkamp in seinem gestrigen Grußwort das jüngst in der Kreisstadt gestartete Projekt SEVIP&V (Sektorübergreifende Versorgung in Pflege und Vorsorge). Vor mehr als 50 Gästen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung, die der Einladung zum Projekt-Kick-off ins Halberstädter Rathaus gefolgt waren, betonte der in der Staatskanzlei für Breitband-Ausbau und Europapolitik zuständige Referatsleiter die enorme Bedeutung, die der demografische Wandel für die Zukunft Sachsen-Anhalts haben wird, und forderte die Anwesenden auf, sich mit ihren Ideen in die Suche nach Lösungen einzubringen.

Eine Aufforderung, der sich Thomas Rimpler als Leiter des Unternehmerbüros der Stadt nur anschließen konnte: „Ich bin fest davon überzeugt, dass insbesondere die Unternehmen vor Ort von dem nun angestoßenen Diskussionsprozess profitieren werden.“ Unternehmerinnen und Unternehmer könnten sich in den folgenden sechs Monaten mit ihren Konzepten an der Erarbeitung einer Demografie- und Pflegestrategie für Halberstadt und die nähere Region beteiligen, und sich dabei kostenfrei von Experten verschiedener Fachgebiete aus vier Hochschulen beraten lassen. Gelingt dem durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten Projekt 2015 der Sprung auf die nächste Förderstufe, stünden teilnehmenden Unternehmen sogar bis zu fünf Millionen Euro Fördermittel für die Realisierung ihrer Ideen zur Verfügung. „Die Ideenpalette reicht derzeit von technischen Assistenzsystemen für Pflegekräfte bis hin zu Unterstützungsnetzwerken für pflegende Angehörige“, so Thomas Rimpler weiter.

Neben der heimischen Wirtschaft und Vertretern aus Staatskanzlei und Sozialministerium sowie Professorinnen und Professoren der Otto von Guericke-Universität Magdeburg, der Martin Luther-Universität Halle und der Hochschule Harz, waren auch Unternehmen aus weiter entfernt liegenden Regionen vertreten. Norbert Rebmann und Andreas Haupt vom Pflegenetzwerk Xpertcooperation – einem der Ideengeber des Projekts – nahmen für den Kick-off sogar den weiten Weg von Stuttgart nach Halberstadt auf sich. Über die positive Resonanz auf die Einladung freut sich auch Projektleiterin Antje Hoffleit: „Das unternehmerische und wissenschaftliche Potential des hier entstehenden Netzwerkes ist schon jetzt beeindruckend“, so die Magdeburger Arbeitswissenschaftlerin, die sich den Gästen als „Wahl-Halberstädterin“ vorstellte. Hoffleit betonte, dass Unternehmen, die sich in den nächsten Wochen noch zur Teilnahme entschlössen, jederzeit im Projekt einsteigen könnten: „Wir freuen uns über Know-How, Erfahrungen und frische Ideen für die Pflege.“

Über die Detailziele des SEVIP&V-Projekts, die Zusammensetzung der Arbeitsgruppen sowie erste Ergebnisse werden Interessenten sich in einigen Tagen unter www.pflegenetzwerk-halberstadt.de informieren können. Der Internetauftritt des Projekts wird allen Pflegeprofis, allen pflegenden Angehörigen sowie natürlich allen Pflegebedürftigen darüber hinaus die Möglichkeit geben, sich mit eigenen Anregungen und Wünschen in die Diskussion über die Zukunft der Pflege in und um Halberstadt einzubringen.

Kick-Off-Vortrag

SEVIP&V-Kick-off am 10.11.2014: Thomas Rimpler vom Unternehmerbüro der Stadt appellierte vor allem an die Unternehmen, sich an SEVIP&V zu beteiligen. Sein Vortrag wird dabei von Gebärdendolmetscher Uwe-Friedrich Albrecht barrierefrei übersetzt.

Projekt soll Pflege-Strategie für Halberstadt erarbeiten

Pflegewordle

Der demografische Wandel stellt viele Städte und Kommunen in Sachsen-Anhalt – darunter auch Halberstadt – vor große Herausforderungen. So wird sich etwa bis zum Jahr 2030 der Anteil der Halberstädter Bürgerinnen und Bürger mit einem Alter von mehr als 80 Jahren von derzeit 6% der Einwohnerschaft auf mehr als 10% nahezu verdoppeln, während zeitgleich immer weniger junge Menschen für die Arbeit im Gesundheitswesen – von der Hausarztpraxis bis hin zum Pflegedienst – zur Verfügung stehen. Wie Stadtverwaltung und regionale Gesundheitswirtschaft dieser Herausforderung begegnen können, ist die zentrale Frage eines noch im November startenden Strategieprojekts der Stadtverwaltung. Im Rahmen des durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten F&E-Vorhabens SEVIP&V (Sektorübergreifende Vernetzung in Pflege und Versorgung) soll in den kommenden sechs Monaten eine entsprechende Strategie für die Kreisstadt erarbeitet werden. Hierzu werden sieben Arbeitsgruppen zu Themen wie der Vernetzung von Pflege und Angehörigen, zur technischen Unterstützung der häuslichen Pflege oder auch zur Optimierung von Versorgungsprozessen gebildet und durch Experten aus Wirtschaft und Forschung besetzt.

„Über die großzügige finanzielle Unterstützung des Projektes durch das BMBF sowie das bereits im Vorfeld große Teilnahmeinteresse freuen wir uns natürlich ungemein“, so Thomas Rimpler, der als Leiter des Unternehmerbüros der Stadt Halberstadt die Koordination von SEVIP&V übernehmen wird. Besonders erfreulich sei auch, dass die gemeinsam mit Pflegeexperten der Stuttgarter Xpert cooperation GmbH, Arbeitsexperten der Magdeburger METOP GmbH sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Hochschule Harz erarbeitete Ideenskizze für Halberstadt bereits in der ersten Förderrunde unter die ersten 20 von 124 Einreichungen gelangte: „Das Ergebnis dieser Bewertung zeigt uns, dass wir mit unseren Ideen und denen unserer Partner bereits auf dem richtigen Weg sind“. Gelingt mit der nun zu erarbeitenden Innovationsstrategie im Rahmen der nächsten Förderrunde der Sprung unter die besten fünf Einreichungen, könnte das BMBF die Umsetzung der Strategie mit bis zu 5 Millionen Euro unterstützen.

Das Projekt wird am kommenden Montag, den 10.11.2014, um 17:00 Uhr im Rahmen einer Kick-Off-Veranstaltung im Ratssaal des Halberstädter Rathauses durch Oberbürgermeister Andreas Henke und Theo Struhkamp als Vertreter der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt im Beisein zahlreicher Gäste aus Verwaltung, Gesundheit, Forschung und Wirtschaft eröffnet. Wer am Kick-Off teilnehmen möchte wird gebeten, sich per E-Mail oder telefonisch an Jörg Willeke aus dem Unternehmerbüro der Stadt zu wenden (03941–551-802 / willeke@halberstadt.de).