Test eines Exoskeletts für die Pflege in Wernigerode

ExoskelettCrayX

Seit mehr als zehn Jahren betreibt die Hochschule Harz gemeinsam mit der Wernigeröder Wohnungsgenossenschaft (WWG eG) eine Musterwohnung für seniorengerechtes und barrierearmes Wohnen im Alter. Die Wohnung wird seit 2018 im Rahmen des BMBF-geförderten Großvorhabens TransInno_LSA als TAKSI – Reallabor für Technikakzeptanz und Soziale Innovation – für die Erprobung niedrigschwelliger Beratungsangebote zur Heranführung von Senorinnen und Senioren an moderne Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) sowie als Reallabor für die Erprobung ganz neuer Technikkonzepte in der ambulanten wie stationären Pflege genutzt. Nähere Informationen zur Arbeit des Reallabors finden sich in (Apfelbaum & Schatz, 2020) und (Apfelbaum, Bruns & Schatz, 2021).

Wie unter anderem von (Hirsch & Lindenberg, 2013), (Hien, 2018) und (Frey, Rieger, Diehl & Pinzon, 2018) festgestellt wird, sind chronische Rückenprobleme und Bandscheibenvorfälle, die durch das häufige Heben und Umlagern von Pflegebedürftigen verursacht werden, ein großes Problem für viele Pflegekräfte und tragen ganz wesentlich zu deren Berufsausstiegsneigung bei. Um im Reallabor als Teil von Transferformaten mit Betrieben aus der Pflegebranche die Nutzung von Exoskeletten zur körperlichen Entlastung und damit zur Gesunderhaltung und langfristigen Bindung von Pflegekräften evaluieren zu können, wurde das TAKSI über das EFRE-Kleingeräteprogramm des Landes Sachsen-Anhalt und der Europäischen Union mit einem Exoskelett vom Typ Cray X ausgestattet.

Das Exoskelett, das man ähnlich wie einen Rucksack umschnallt, unterstützt und entlastet den Rücken beim Heben schwerer Lasten um bis zu 30 Kilogramm pro Hebevorgang und bietet darüber hinaus eine aktive Laufunterstützung. Das System wird nach Herstellerangaben bislang kaum im Pflegebereich, sondern primär in der Lagerwirtschaft eingesetzt, erfüllt aber grundsätzlich alle Voraussetzungen für den testweisen Einsatz im Gesundheitswesen.

Das TAKSI-Team will das Cray X nach Ende der pandemiebedingten Beschränkungen im Rahmen verschiedener Transferformate mit Pflegeanbietern der Region erproben, damit sich Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Anwenderinnen und Anwender einen praktischen Eindruck vom Einsatz dieser Technologie verschaffen können.

EFRE-Logo

Foto: Hochschule Harz | Video: golem.de

Literaturhinweise

Apfelbaum, B., Bruns, J. & Schatz, T. (2021). Das Reallabor für Technikakzeptanz und Soziale Innovation – Selbstevaluation netzwerkbasierter Beratungs- und Bildungsangebote im Kontext demografischer Alterung und digitaler Transformation. In G. Westermann, M. Scheinert & A. Johanson (Hrsg.), Reallabore im Verbundprojekt TransInnoLSA. Wissenschaftskommunikation, Wissenstransfer und Reallabore als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. (S. 56-96). Wernigerode: Hochschule Harz.

Apfelbaum, B. & Schatz, T. (2020). Aufbau von Strukturen der Technikberatung und Technikaneignung. Eine Zwischenbilanz zum TAKSI-Reallabor im Vorhaben VTTNetz. In G. Westermann & S. Reinhold (Hrsg.), Transfer und Third Mission. Das Konzept eines zukunftsfähigen „Transfer- und Innovations-Service“ der HAW in Sachsen-Anhalt. (S. 106-125). Wernigerode: Hochschule Harz.

Frey, D., Rieger, S., Diehl, E. & Pinzon, L. (2018). Einflussfaktoren auf chronische Rückenschmerzen bei Pflegekräften in der Altenpflege in Rheinland-Pfalz. Das Gesundheitswesen, 2 (80), 172-175.

Hien, W. (2018). Krank – und in der ambulanten Pflege arbeiten? Eine Fallstudie zur Arbeit mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen in Klein-und Mittelbetrieben. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung.

Hirsch, K. & Lindenberg, S. (2013). Beschwerden im Bereich des Bewegungsapparats bei Pflegekräften in einem Krankenhaus der Schwerpunktversorgung in Sachsen-Anhalt. HeilberufeScience, 4 (4), 136-141.