Schlagwort Archiv: Halberstadt

Call for Papers: Gesundheits- / Pflegewirtschaft an der HS Harz

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Fachtagung: Gesundes Unternehmenswachstum in der Pflege- und Gesundheitswirtschaft – Betriebswirtschaftliche und technische Lösungen aus Wissenschaft und Forschung

19.05.2016 – Hochschule Harz – Wernigerode

Die demografisch bedingt steigende Nachfrage nach Gesundheits- und Pflegedienstleistungen hat zu einem beschleunigten Wachstum vieler Dienstleistungsanbieter über die in dieser Branche üblichen Größen hinaus geführt. Mit zunehmender Größe sehen sich viele dieser Dienstleister mit einer Vielzahl für sie neuer organisatorischer und betriebswirtschaftlicher Herausforderungen konfrontiert. Antworten auf einige dieser Herausforderungen können im Rahmen gemeinsamer Projekte von Hochschulen und Unternehmen gefunden werden.

Die Hochschule Harz führt am 19.05.2016 auf ihrem Wernigeröder Campus erstmalig eine interdisziplinäre Konferenz zum Thema „Gesundes Unternehmenswachstum in der Pflege- und Gesundheitswirtschaft“durch. Neben zwei Keynote-Präsentationen und Vorträgen von neun eingeladenen Hochschul-Experten/innen sind eine Postersession und ein Tagungsband geplant, zu dem noch bis zum 25.04.2016 Beiträge mit maximal 3.500 Worten (Word, Open Office, Libre Office) zuzüglich jeweils eines A0-Posters (PDF, JPG, Corel Draw) eingereicht werden können. Die Einreichung erfolgt per E-Mail an: creinboth(at)hs-harz.de. Beiträge sollten sich an einem oder auch mehreren der drei hier nachfolgend benannten Themenbereiche ausrichten. Einige beispielhafte Forschungsfragen sind aufgeführt.

  • Change Management im Pflege- und Gesundheitswesen: Wie können Unternehmen aus dem Gesundheits- und Pflegewesen betriebswirtschaftlich und organisatorisch mit überproportional starkem Wachstum umgehen? Wie können neuartige Formen der (Ablauf- oder auch hierarchischen) Organisation gemeinsam mit der Belegschaft umgesetzt werden? Wie kann die Qualität pflegerischer Leistungen auch in Zeiten von Umbruch und Reorganisation sichergestellt werden?
  • Einsatz neuer Technologien im Pflege- und Gesundheitswesen: Inwieweit können Pflegekräfte durch den Einsatz neuer Techniken in der Praxis entlastet werden? Wie ist es in verschiedenen Gesundheitsberufen um Interesse an und Akzeptanz für neue Technologien bestellt? Können AAL-Systeme autonomes Leben von Senioren/innen fördern – oder führen sie zu neuen Abhängigkeiten?
  • Prozess- und Organisationsoptimierung im Pflege- und Gesundheitswesen: Welche neuartigen Formen der gesundheitlichen Versorgung bieten sich für den ländlichen Raum an? Wie können Prozesse in der Pflege entbürokratisiert werden? Was können Pflege- und Gesundheitsdienstleister von Unternehmen aus der Tourismusbranche über die Organisation und Qualität von Versorgungsprozessen lernen?

Eine Formatvorlage für Paper und Poster wird nicht vorgegeben, die Formatierung der Paper für den Tagungsband wird durch das Organisationsteam übernommen. Die Formatierung der Poster sollte im Design der Institution der Einreicher erfolgen, Druck und Laminierung der Poster werden durch die Hochschule Harz übernommen. Über die Auswahl der Beiträge entscheidet ein interdisziplinär besetztes Fachgremium.

Fragen zur Veranstaltung beantwortet Ihnen gerne:

Christian Reinboth
Stabsstelle Forschung Hochschule Harz
Friedrichstraße 57-59 38855 Wernigerode

Tel.: 03943 659 896
creinboth(at)hs-harz.de

Tagungswebseite: https://www.hs-harz.de/forschung/gesundheitswirtschaft2016/

Vorstandswahlen und inhaltliche Neuausrichtung beim TECLA e.V.

Am 3. Dezember 2015 trafen sich die Mitglieder des Vereins TECLA (TEChnische PfLegeAssistenzsysteme) zur Jahreshauptversammlung im Wernigeröder Innovations- und Gründerzentrum. Auf der Agenda stand neben der Neuwahl des Vorstands auch eine wichtige Richtungsentscheidung: Der eingetragene Verein, der ursprünglich ins Leben gerufen wurde, um die Arbeit des von 2010 bis 2013 durch das BMBF geförderten NEMO-Netzwerks TECLA fortzusetzen, hat seit seiner Gründung kaum Aktivitäten entfaltet, da die ab 2014 in Halberstadt und Wanzleben-Börde für zwei Jahre durch das BMWi finanzierten Senioren-Technik-Beratungsstellen die Netzwerkarbeit größtenteils fortführen konnten. Nachdem nun in 2016 aber auch diese Förderung enden wird, war es an den Mitgliedern des Vereins zu entscheiden, ob die erfolgreich etablierten Beratungsangebote durch TECLA e.V. fortgeführt und auf andere Harzkreis-Kommunen ausgedehnt werden sollten – ein Vorschlag, der bereits nach kurzer Diskussion einstimmig angenommen wurde.

„Sowohl in Halberstadt als auch in Wanzleben-Börde haben wir in den vergangenen zwei Jahren die Erfahrung machen können, dass niederschwellige Beratungsangebote für ältere Menschen – etwa zur barrierefreien Umgestaltung von Wohnungen oder zu technischen Hilfen im Alltag – auf großes Interesse und eine stark positive Resonanz stoßen“, so Thomas Schatz, der die Beratungsstelle in Wanzleben-Börde leitet. „Auch wenn die Förderung beider Beratungsstellen im kommenden Jahr endet, wollen wir dieses wichtige Angebot nicht einfach wegfallen lassen, sondern über die Arbeit im Verein verstetigen.“ Eine solche Verstetigung bietet Vereinsvorstand Uwe Witczak zufolge auch die Chance, das bereits mit dem NEMO-Netzwerkprojekt ins Leben gerufene und über die Arbeit der kommunalen Beratungsstellen ausgebaute Netzwerk aus regionalen Unternehmen der Pflegewirtschaft, Wohnungswirtschaft, Medizintechnik und IT aufrechtzuerhalten: „Hier ist in den vergangenen Jahren eine Kooperation von großem Wert für den Harz entstanden.“

Neben der Grundsatzentscheidung über die Fortführung der Tätigkeit der beiden kommunalen Beratungsstellen, konnten im Rahmen der Jahreshauptversammlung drei neue Mitglieder in den Verein aufgenommen und eine Satzungsanpassung verabschiedet werden.

Dem für die nächsten zwei Jahre neu gewählten Vorstand des TECLA e.V. gehören an:

Über die für 2016 geplanten Veranstaltungen und Aktivitäten wird der Verein zu Jahresbeginn noch ausführlich auf den beiden Internetseiten http://www.mytecla.de und http://www.pflegenetzwerk-halberstadt.de informieren.

Vereinssitzung

Vereinsmitglieder diskutieren am Rande der Jahreshauptversammlung 2015 des TECLA e.V. miteinander.

Einreichung des strategischen Handlungskonzepts beim BMBF

Mit der Einreichung des strategischen Handlungskonzepts der Stadt Halberstadt zum Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) am 30. April, konnte die erste Förderphase unseres Projekts SEVIP&V (Sektorübergreifende Vernetzung in Pflege und Vorsorge) vor einigen Tagen vorerst abgeschlossen werden. Im Gegensatz zum Großteil solcher Konzepte fokussiert unser Konzept dabei weniger auf die technische Entlastung von Seniorinnen und Senioren, als mehr auf die technische Entlastung von Pflegekräften und pflegenden Familienangehörigen. Drei Entwicklungen sollen diese Pflegeleistenden auf unterschiedliche Weise unterstützen: Das sprachgesteuerte Pflegeassistenzsystem EdaS (Entlastung durch angewandte Spracherkennung) könnte Pflegekräfte von Dokumentationspflichten entlasten und ihnen dadurch mehr Zeit für den Dienst am Menschen einräumen, die Intelligente Leistungs- und Service-Einheit (ILSE) könnte als modernes Kommunikations-, Aktivitäts- und Monitoringzentrum die Kommunikation zwischen Gepflegten und ihren Angehörigen verbessern – und mit dem Security Framework für Pflegeassistenzsysteme (SFP) würde ein Regel- und Validierungsframework für assistive Systeme im Pflegebereich entwickelt, das auch weit über das Projekt hinaus für die Entwickler von Pflegetechnik nutzbar wäre.

Ob SEVIP&V es im Rahmen des InnovaKomm-Wettbewerbs nach der ersten nun auch in die zweite Phase schafft – womit letztendlich die Realisierung der drei hier kurz dargestellten Entwicklungen finanziert werden könnte – wird sich voraussichtlich bis Ende August diesen Jahres entscheiden. Allen Fachexpertinnen und Fachexperten, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten in unseren sieben Arbeitsgruppen sowie im Redaktionsteam engagiert haben, sei an dieser Stelle noch einmal ganz herzlichst gedankt. Über den weiteren Fortgang von SEVIP&V werden wir hier im Projektblog des Pflegenetzwerks selbstverständlich zeitnah berichten. Und bis dahin heißt es: Daumen drücken!

InnovaKomm

Videonachlese zu Demografiekongress und Demografiewoche

Demografiewoche

Zum dritten Demografiekongress sowie zur ersten Demografiewoche Sachsen-Anhalts im vergangenen Monat sind bei YouTube zwei Videobeiträge eingestellt worden, die wir an dieser Stelle – sozuagen als multimediale Nachlese – gerne im Blog des Pflegenetzwerks einbinden möchten: Die (barrierefreie) Video-Botschaft unseres Ministerpräsidenten Dr. Reiner Haseloff zu aktuellen demografischen Trends und Herausforderungen in und für Sachsen-Anhalt sowie ein Kurzfilm zur Demografiefolgeforschung an der Hochschule Harz, der durch die MDKK GmbH eigens für den Demografiekongress produziert wurde und der hier mit freundlicher Genehmigung veröffentlicht wird.

Der demografische Wandel (4): Halberstadt

Demografiewoche

Im finalen Beitrag unserer vierteiligen Blogserie zur Woche der Demografie in Sachsen-Anhalt, wenden wir uns der 41.000 Einwohner zählenden Kreisstadt Halberstadt zu, die sich zunehmend mit den Folgen des demografischen Wandels auseinandersetzten muss. Wenngleich sowohl Tourismus als auch produzierende Wirtschaft dank des international bedeutenden Domschatzes sowie einer Vielzahl erfolgreicher Mittelstandsbetriebe (vor allem aus den Bereichen Maschinenbau und Medizintechnik) durchaus florieren, sinkt doch die Einwohnerzahl beständig. So hat Halberstadt zwischen 2003 und 2013 mehr als 3.100 Einwohner verloren, was einem relativen Bevölkerungsrückgang von 6,9% entspricht. Diese stark negative Entwicklung schließt bereits die 2010 erfolgte Eingemeindung von fünf neuen Ortsteilen mit rund 4.700 Einwohnern mit ein (Eingemeindungen kaschieren die wirkliche Dynamik der demografischen Entwicklung in vielen Regionen Sachsen-Anhalts). Bis zum Jahr 2030 wird derzeit (ausgehend vom Basisjahr 2009) mit einem weiteren Rückgang um 18,6% gerechnet, womit Halberstadt in der Demografie-Klassifizierung der Bertelsmann-Stiftung als Kommune des Typs 9 (stark schrumpfend mit hohem Anpassungsdruck) eingestuft wird.

Kommunen dieser Demografie-Klasse finden sich ausschließlich in den neuen Bundesländern. Sie zeichnen sich neben einem starken Bevölkerungsrückgang durch tendenziell kleine Haushaltsgrößen, die verstärkte Abwanderung junger Menschen sowie eine eher problematische kommunale Haushaltslage aus. Diese Kommunen müssen sich in den kommenden Jahren auf tiefgreifende sozioökonomische Verwerfungen sowie auf eine weitere Verschlechterung der eigenen Haushaltssituation vorbereiten [vgl. Bertelsmann 2012, S. 7ff.].

Die Dynamik der demografischen Entwicklung zeigt sich in Halberstadt insbesondere am Altenquotienten. Während im Jahr 2013 auf jeweils 100 Einwohnerinnen und Einwohner im Alter zwischen 20 und 64 Jahren noch 42 Einwohnerinnen und Einwohner mit einem Alter oberhalb von 64 Jahren kamen, werden es im Jahr 2030 bereits 70 Vertreterinnen und Vertreter dieser Altersgruppe sein. Der Anteil der Hochaltrigen an der Einwohnerschaft wird sich im gleichen Zeitraum von 6,2% auf 10,6% nahezu verdoppeln. Diese Entwicklung führt bereits heute zu Problemen bei der Abdeckung des Pflegebedarfs sowie bei der Verfügbarkeit von Fachkräften, wobei vor allem bei regionalen Pflegedienstleistern eine zunehmende Überalterung der in der Pflege tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erkennbar ist. So berichteten im Rahmen der AG-Sitzungen während der ersten InnovaKomm-Phase gleich mehrere Halberstädter Pflegeanbieter, dass für die Neubesetzung von Stellen bereits Zeiten von vier bis sechs Monaten eingeplant werden müssten.

AltenquotientHistorisch betrachtet hat die Bevölkerungszahl Halberstadts bereits mehrere größere Schwankungen erlebt. Lebten kurz vor dem Zweiten Weltkrieg noch rund 54.000 Menschen in Halberstadt, nahm die Einwohnerschaft seit Kriegsende leicht und seit Ende der 1980er Jahre deutlich ab. Nach der Wende setzte auch hier der bereits im zweiten Teil dieser Blogserie beschriebene „demografische Schock“ ein, der zu einem durchschnittlichen Bevölkerungsrückgang um 400 Personen jährlich und einem erheblichen Einbruch der Geburtenrate führte: Kamen in Halberstadt im Jahr 1989 noch 505 Kinder zur Welt, so waren es kurze Zeit später im Jahr 1992 nur noch 298 [vgl. Rimpler 2013, S. 15ff]. Das in den frühen 1990er Jahren erreichte, niedrige Geburtenniveau blieb seitdem praktisch unverändert – so wurden in 2013 327 Geburten, dafür aber 606 Todesfälle registriert. Durch Geburtenknick und Abwanderung gingen zwischen 1991 und 2011 insgesamt rund 4.800 Einwohnerinnen und Einwohner verloren.

Die Folgen des demografischen Wandels für Halberstadt lassen sich exemplarisch sehr gut an der Entwicklung der Ausbildungszahlen sowie des Wohnungsleerstands verdeutlichen. So ist beispielsweise die Zahl der Bewerber auf freie Ausbildungsplätze in Halberstadt zwischen den Jahren 2004 und 2013 um mehr als 50% zurückgegangen, was dazu geführt hat, dass in etlichen Branchen Ausbildungsplätze über mehrere Jahre in Folge unbesetzt blieben, da keine geeigneten Bewerber verfügbar waren. Mit Blick auf die Auswirkungen der erheblichen Bevölkerungsabnahme auf den Wohnungsleerstand ist festzustellen, dass dieser trotz des Rückbaus von mehr als 2.000 Wohneinheiten im Rahmen der Teilnahme Halberstadts am Stadtsanierungsprogramm (2002 bis 2006) lediglich von rund 16% im Jahr 2000 auf etwa 14% im Jahr 2011 reduziert werden konnte. Derzeit stehen in Halberstadt noch etwa 3.400 Wohneinheiten leer.

Vor diesem Hintergrund ist absehbar, dass die Möglichkeiten der professionellen Versorgung älterer Menschen in Halberstadt – insbesondere im stationären Bereich – in den kommenden Jahren an ihre Grenzen stoßen werden. Neben wachsenden Anforderungen und fehlendem Nachwuchs sorgt dabei auch die hohe Personalfluktuation für Probleme, die vor allem auf die körperlich schwere Arbeit, auf das besonders hohe Burnout-Risiko von Pflegekräften sowie auf deren wachsende Unzufriedenheit mit den eigenen Arbeitsbedingungen (insbesondere mit dem ständigen Zeitdruck sowie dem hohen Dokumentationsaufwand) zurückzuführen ist.

Auch der Druck auf die informelle Pflege durch Familienangehörige – die derzeit rund vier Millionen pflegenden Angehörigen gelten mit Recht als „Deutschlands größter Pflegedienst“ – nimmt mit der demografischen Entwicklung beständig zu. Insbesondere viele Doppelverdiener-Familien sehen sich zunehmend mit organisatorischen Problemen konfrontiert, da aufgrund dieser (für den Harzkreis und Sachsen-Anhalt jedoch recht typischen) Verdienststruktur die zeitlichen Ressourcen für die Pflege von Familienangehörigen stark eingeschränkt sind. Erschwert wird diese Situation zusätzlich durch die in der Region ebenfalls besonders hohen Pendlerquoten mit entsprechend langen Fahrtstrecken zwischen Arbeitsort und Wohnung. Familienverbünde, die durch den Wegzug von Kindern in wirtschaftlich attraktivere Regionen aufgebrochen werden, stehen für die informelle Pflege kaum bis gar nicht mehr zur Verfügung und erhöhen den Leistungsdruck auf die professionelle Pflege zusätzlich.

Die Verwaltung der Stadt Halberstadt ist sich dieser Situation seit langem bewusst und stellt sich seit der Entwicklung des städtischen Leitbildes im Jahr 2007, in dem unter anderem die Anpassung an die demografischen Erfordernisse sowie die barrierefreie Umgestaltung des öffentlichen Raumes als Ziele festgeschrieben werden, auf den Strukturwandel ein [vgl. Halberstadt 2007]. Das große Interesse von Verwaltung, Kommunalpolitik und Zivilgesellschaft an der Lösung der mit dem demografischen Umbruch verbundenen Probleme sowie an der Nutzung entstehender Chancen manifestiert sich in einer Vielzahl städtischer Projekte, die von der BMBF-geförderten Senioren-Technik-Beratungsstelle über die Erarbeitung und schrittweise Umsetzung eines preisgekrönten Konzepts zur Schaffung von innerstädtischer Barrierefreiheit bis hin zur Entwicklung der Innovationsstrategie im Rahmen des InnovaKomm-Projektes reichen. Mit dieser Strategie – die übrigens am 30.04. beim Projektträger eingereicht wurde – hofft das Projektteam, einen Beitrag zum konstruktiven weiteren Umgang mit dem demografischen Wandel in und um Halberstadt leisten zu können.

Verwendete Quellen

[Bertelsmann 2012] Bertelsmann Stiftung (2012): Bertelsmann-Demografietyp 9: Stark schrumpfende Kommunen mit besonderem Anpassungsdruck. Unter Mitarbeit von Carsten Große Starmann und Petra Klug. Gütersloh.

[Halberstadt 2007] Stadt Halberstadt (2007): Zukunft gemeinsam gestalten – ein Leitbild für Halberstadt ins Jahr 2020. Halberstadt.

[Rimpler et al. 2013] Rimpler, Thomas; Ruprecht, Siegrun; Zerche, Ina; Kleinwächter, Martina (2013): Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) Stadt Halberstadt. Stadt Halberstadt. Halberstadt.

Der demografische Wandel (3): Landkreis Harz

Demografiewoche

Nachdem in den vorangegangenen Beiträgen eine Annäherung an den demografischen Wandel und seine Folgen über den Blick auf die allgemeine Entwicklung in Deutschland sowie in Sachsen-Anhalt erfolgt ist, soll nachfolgend nun auf die spezifische Situation im geografischen Projektbereich von SEVIP&V, d.h. im Landkreis Harz sowie insbesondere in dessen Kreisstadt Halberstadt (nachfolgender Beitrag) eingegangen werden.

Der Landkreis Harz, welcher im Jahr 2007 im Rahmen einer Kreisgebietsreform aus den Landkreisen Wernigerode, Halberstadt und Quedlinburg sowie aus der Stadt Falkenstein gebildet wurde, liegt im Südwesten des Bundeslandes Sachsen-Anhalt und umfasst 20 Gemeindegebiete (13 selbständige Einheitsgemeinden und eine Verbandsgemeinde mit 7 selbständigen Gemeinden) mit insgesamt 120 Ortschaften und mehr als 223.000 Einwohnern. Er grenzt an die sieben Landkreise Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt), Nordhausen (Thüringen), Börde (Sachsen-Anhalt), Helmstedt (Niedersachsen), Wolfenbüttel (Niedersachsen), Goslar (Niedersachsen) und den Salzlandkreis (Sachsen-Anhalt). Die nachfolgende Tabelle gibt Gemeindestatus, Einwohnerzahl und Demografietyp laut Klassifizierung der Bertelsmann-Stiftung (soweit verfügbar) für diese 14 Einheits- bzw. Verbandsgemeinden wieder.

In die Ermittlung des Demografietyps geht eine Vielzahl wichtiger Kennzahlen zur demografischen Entwicklung ein (u.a. Bevölkerungsprognosen, Altenquotient, Jugendquotient sowie Pflegequote), so dass dessen Angabe an dieser Stelle stellvertretend für zahlreiche Faktoren stehen kann. Auf eine gesonderte Betrachtung aller 120 Ortschaften oder die Aufnahme weiterer demografischer Faktoren wurde aus Gründen der besseren Übersichtlichkeit verzichtet.

Gemeindename Gemeindestatus Einwohner Demografietyp
Ballenstedt Stadt / Einheitsgemeinde 9.481 9
Blankenburg Stadt / Einheitsgemeinde 20.852 9
Falkenstein Stadt / Einheitsgemeinde 5.619 9
Halberstadt Stadt / Einheitsgemeinde 40.526 9
Harzgerode Stadt / Einheitsgemeinde 8.419 nicht klass.
Huy Einheitsgemeinde 7.645 8
Ilsenburg Stadt / Einheitsgemeinde 9.442 8
Nordharz Einheitsgemeinde 8.011 nicht klass.
Oberharz am Brocken Stadt / Einheitsgemeinde 11.333 9
Osterwieck Stadt / Einheitsgemeinde 11.538 8
Quedlinburg Stadt / Einheitsgemeinde 25.391 nicht klass.
Thale Stadt / Einheitsgemeinde 18.131 9
Wernigerode Stadt / Einheitsgemeinde 33.710 8
VG Vorharz Verbandsgemeinde 12.996 nicht klass.

Im Landkreis auftretende Demografietypen
8 – Alternde kleinere Kommune mit Anpassungsdruck
9 – Stark schrumpfende Kommune mit besonderem Anpassungsdruck

Es ist bezeichnend, dass in der Bewertung der Kommunen im Landkreis Harz durch die Bertelsmann-Stiftung lediglich noch die beiden Demografietypen 8 („alternde kleinere Kommune mit Anpassungsdruck“) und 9 („stark schrumpfende Kommune mit besonderem Anpassungsdruck“) zu finden sind. Auch der PROGNOS-Zukunftsatlas bescheinigt dem Landkreis in seiner jüngsten Ausgabe aus dem Jahr 2013 „hohe Zukunftsrisiken“ und eine „geringe Dynamik“ und ordnet ihn im Hinblick auf die Demografie auf Rang 396 von 402 sowie im Hinblick auf die Zukunftschancen auf Rang 383 von 402 Landkreisen in Deutschland ein [vgl. PROGNOS AG 2013].

Tatsächlich gehörte der Landkreis Harz bereits Anfang der 2000er Jahre zu den geburtenärmsten Landkreisen in der Bundesrepublik, wobei die Geburtenrate allein zwischen 2007 und 2010 nochmals um 9,8% zurückging [vgl. MLV 2013, S. 19]. Der Altenquotient, der im Landkreis Harz gegenwärtig bei 45,5% liegt, wird bis 2020 auf 53,7% ansteigen – und auch im Hinblick auf die Pflegequote setzt sich der Harzkreis negativ ab und liegt 16% über dem Landes- und fast 50% über dem Durchschnitt im Bund [vgl. Fischer-Hirchert 2014, S. 11]. Die sich in diesen Zahlen deutlich wiederspiegelnde Problematik wird dadurch verschärft, dass der Landkreis nach der Wende zusammen mit dem Altmarkkreis Salzwedel zunächst zu denjenigen Regionen gehört hat, deren Entwicklung im Vergleich zum Landestrend einen günstigeren Verlauf nahm, weshalb die Stabsstelle für demografische Entwicklung des Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr (MLV) im Harzkreis gegenwärtig eine „negative Trendwende“ sieht [vgl. MLV 2013, S. 11].

Diese Ausgangssituation macht den Landkreis Harz zu einem geradezu idealen Entwicklungs- und Versuchsfeld für neue Konzepte und Methoden zum Umgang mit den Folgen des demografischen Wandels. Dies gilt in besonderem Maße für die Stadt Oberharz am Brocken sowie die Stadt Halberstadt, da sich hier exemplarisch zwei Bedarfslagen manifestieren, die in sehr ähnlicher Form bereits in vielen Regionen Ostdeutschlands auftreten, und die sich in den kommenden Jahrzehnten auch vielfach in den alten Bundesländern zeigen werden: Eine (zwangsweise) fusionierte Einheitsgemeinde, bestehend aus zahlreichen kleineren und ehemals eigenständigen, heute stark schrumpfenden Ortschaften, in denen die Grundversorgung in der Fläche kaum noch aufrechterhalten werden kann (Oberharz am Brocken) sowie ein wirtschaftlich durchaus attraktives Mittelzentrum mit eine Reihe von raumübergreifenden Versorgungsfunktionen, in dem eine Vielzahl von (teils schmerzhaften) Anpassungen an die sich verändernden demografischen Erfordernisse vorgenommen werden muss (Halberstadt). Auf die ortsspezifischen demografischen Entwicklungen und Bedarfslagen in Halberstadt wird im nachfolgenden Blogbeitrag dann noch gesondert eingegangen.

Verwendete Quellen

[Fischer-Hirchert 2014] Fischer-Hirchert, Ulrich H.P. (2014): Demografischer Wandel im Harz. Chancen, Risiken und mögliche Strategien intelligenter Techniknutzung. GenerationenHochschule Harz. Hochschule Harz. Wernigerode, 06.05.2014.

[MLV 2013] Stabsstelle für demografische Entwicklung und Prognosen des Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt (2013): Den demografischen Wandel gestalten. Berichterstattung an den Landtag von Sachsen-Anhalt. Magdeburg.

[PROGNOS AG 2013] Prognos AG (2013): Prognos Zukunftsatlas 2013 – Deutschlands Regionen im Zukunftswettbewerb. Basel.

Der demografische Wandel (2): Sachsen-Anhalt

Demografiewoche

Aus einer Reihe von Gründen, die in diesem Blogpost nachfolgend noch näher betrachtet werden, sind die neuen Bundesländer im Vergleich mit den alten Bundesländern von den Auswirkungen des demografischen Wandels in wesentlich stärkerem Maße betroffen. Dabei ist die grundsätzliche Entwicklung – denn auch in den westdeutschen Bundesländern endete der Geburtenüberschuss bereits in den 1960er Jahren – in West wie Ost identisch, weshalb die derzeit in den neuen Bundesländern zu beobachtende Verschiebung der Altersstrukturen mit all ihren gesellschaftlichen Konsequenzen lediglich eine Entwicklung vorwegnimmt, welche den alten Bundesländern ebenfalls noch bevorsteht [vgl. Wilde 2011, S. 54]. Der Umstand, dass sich der demografische Wandel in einem Teil der Bundesrepublik mit höherer Geschwindigkeit vollzieht, wird im Kontext unseres SEVIP&V-Projekts als Chance für die Entwicklung übertragbarer Lösungsansätze begriffen, die zunächst in den neuen Bundesländern als den Pionierregionen der demografischen Anpassung erprobt werden, mittelfristig aber auch in anderen Landesteilen zum Einsatz gelangen können.

Die beschleunigte Entwicklung in den neuen Bundesländern ist insbesondere auf den sogenannten „demografischen Schock“ in den Jahren nach der Wiedervereinigung zurückzuführen. So kam es in der ersten Hälfte der 1990er Jahre nicht nur zu einem – vermutlich primär durch die neuen sozialen und politischen Unsicherheiten verursachten – historisch zu nennenden Geburtenknick [vgl. Grünheid und Ahmed 2013, S. 10], sondern auch zu einer verstärkten Abwanderung in die alten Bundesländer. Für die zu diesem Zeitpunkt in die Arbeitsfähigkeit hineinwachsenden Kinder der vergleichsweise geburtenstarken DDR-Jahrgänge der 1970er und 1980er Jahre, waren angesichts des mit der Wende einhergehenden erheblichen Arbeitsplatzabbaus in den neuen Ländern zu wenige Arbeitsmöglichkeiten verfügbar, so dass es zu einem massiven Wegzug kam. Insgesamt verloren die neuen Bundesländer in den Jahren zwischen 1991 und 2011 rund 1,1 Millionen ihrer 16,4 Millionen Einwohner bzw. 7% der Bevölkerung.

Da die jungen Frauen in den neuen Ländern in einem gesellschaftlichen Klima aufgewachsen waren, in welchem berufstätige Frauen und Mütter den Normalzustand darstellten, verlor der Osten im Zuge dieser arbeitsplatzgetriebenen Abwanderung überdurchschnittlich viele junge Frauen, deren Weggang den Geburtenknick nur noch verschärfen sollte [vgl. MLV 2013, S. 22]: Innerhalb weniger Jahre brach die Geburtenziffer in den neuen Ländern von 1,52 Kindern je Frau Ende der 1980er Jahre auf einen Tiefstand von 0,77 Kindern je Frau im Jahr 1994 ein [vgl. Maretzke 2011, S. 14]. Dieser Geburtenknick aus den 1990er Jahren wirkt sich nach wie vor stark auf die Demografie der neuen Bundesländer aus, da die in diesem Jahrzehnt nicht geborenen Frauen inzwischen selbst wieder im gebärfähigen Alter gewesen wären. Sollte es in den kommenden Jahrzehnten nicht doch noch zu einem massiven Zuzug kommen, wird sich die demografische Abwärtsspirale in Ostdeutschland daher – selbstverstärkend – weiter fortsetzen. Ein Trend, zu dem auch der durch eine Verminderung der Ressourcenknappheit im Gesundheitswesen beförderte Anstieg der Lebenserwartung von Seniorinnen und Senioren im Vergleich zur Ära der DDR beigetragen hat und nach wie vor beiträgt [vgl. Scholz 2011, S. 35].

Unter den fünf neuen Bundesländern ist wiederum Sachsen-Anhalt aufgrund einer fortdauernden wirtschaftlichen Wachstumsschwäche, einer besonders hohen Abwanderung jüngerer Menschen und fehlender zivilgesellschaftlicher Unterstützungsstrukturen in ganz besonderem Maße von den Folgen des demografischen Wandels betroffen [vgl. Dinel 2005, S. 7]. Neben Mecklenburg-Vorpommern ist es das älteste Bundesland Deutschlands [vgl. Köhler et al. 2014, S. 6]. Die Dynamik der Entwicklung in Sachsen-Anhalt zeigt sich insbesondere beim Blick auf die Abwanderung: Je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner wanderten in Sachsen-Anhalt zwischen 1990 und 2011 durchschnittlich 126 Personen in andere Bundesländer oder ins Ausland aus – in Sachsen waren es dagegen nur 67, in Berlin sogar lediglich 18, während in Hessen und Bayern im gleichen Zeitraum 25 bzw. 57 neue Einwohnerinnen und Einwohner je 1.000 Personen hinzukamen [vgl. Gründheid und Ahmed 2013, S. 47]. Verstärkend wirkt auch ein Phänomen, welches ebenfalls nur in den neuen Ländern auftritt: Der Rückzug von älteren und aus dem Berufsleben ausgeschiedenen Menschen aus der Wegzugswelle der 1990er Jahre in ihre alte Heimat [vgl. Haustein und Mischke 2011, S. 9].

Insgesamt hat Sachsen-Anhalt zwischen 1990 und 2011 einen ganz erheblichen Bevölkerungsverlust von 19,5% verkraften müssen, bis 2025 ist mit einem weiteren Rückgang um 18,6% (ausgehend vom Basisjahr 2008) zu rechnen. Der bereits im vorangegangenen Blogpost eingeführte Altenquotient (das Verhältnis von Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahren zur Haupterwerbsgruppe zwischen 20 und 64 Jahren) wird sich im gleichen Zeitraum von 38,6% auf rund 57,9% erhöhen [vgl. Hübner et al. 2013, S. 2]. Prognosen des Statistischen Landesamtes lassen erkennen, dass das Land im Jahr 2023 wohl erstmalig weniger als 2 Millionen Einwohner haben wird – ein Rückgang um mehr als die Hälfte seit dem Bevölkerungshöchststand im Jahr 1946 (4,1 Millionen) und immerhin um gut eine Million seit der Wiedervereinigung und darauffolgenden Neugründung Sachsen-Anhalts mit 2,9 Millionen Einwohnern.

Wie bereits auf Bundesebene führt der demografische Wandel auch auf Ebene des Landes Sachsen-Anhalt zu einem überproportionalen Anstieg an Hochaltrigen und Pflegefällen, wobei die Dramatik der Entwicklung im Land deutlich größer ist: Von 2008 bis 2025 wird sich die Gruppe der Hochaltrigen um 184% vergrößern. Erwartungsgemäß wird damit auch die Anzahl der zu versorgenden Pflegefälle steigen: Von 81.000 Pflegebedürftigen im Jahr 2009 (von denen 87% bereits älter als 65 Jahre waren) auf rund 110.000 Pflegebedürftige im Jahr 2025 [vgl. MLV 2010, S. 73]. Es ist abzusehen, dass dieser Aufwuchs an Pflegefällen das in Teilen Sachsen-Anhalts bereits heute schon ausgelastete Pflegewesen mit den bestehenden Auszubildenden- und Fachkräftemängeln an seine Leistungsgrenzen bringen wird. Die Suche nach entsprechenden technischen Entlastungslösungen für professionell sowie auch für informell Pflegende ist daher eines der zentralen Themen der SEVIP&V-Innovationsstrategie.

Für Sachsen-Anhalt ist diese Entwicklung zwar einerseits mit zahlreichen Problemen verbunden, birgt aber andererseits auch Zukunftschancen. Zu diesen Problemen gehören neben dem eben erwähnten Druck auf die professionelle Pflege unter anderem der Fachkräftemangel, der Verlust an familiären Versorgungsstrukturen, die weiterhin abnehmende finanzielle Leistungsfähigkeit des Landes sowie die Unterauslastung kritischer Infrastrukturen, die nachfolgend kurz stellvertretend für eine Vielzahl an negativen Folgen des demografischen Wandels betrachtet werden sollen.

Der Fachkräftemangel, der sich in anderen Regionen Deutschlands gegenwärtig erst andeutet, ist in Sachsen-Anhalt bereits deutlich zu spüren: Während im Jahr 2005 noch 5% der Arbeitsplätze mit Fachkräftebedarf nicht zeitnah besetzt werden konnten, waren es im Jahr 2011 bereits 24%. Im gleichen Jahr konnten 23% aller angebotenen Lehrstellen in Sachsen-Anhalt nicht besetzt werden – 2005 waren es noch lediglich 6% [vgl. MLV 2013, S. 49]. Im Gesundheitsbereich ist diese Situation regional stellenweise noch dramatischer. Auch die finanzielle Leistungsfähigkeit des Landes wird durch den Einwohnerschwund von Jahr zu Jahr gemindert – pro verlorenem Einwohner verringern sich die Bundeszuweisungen an den Landeshaushalt um rund 2.400 Euro. Der Bevölkerungsrückgang hat das Land damit seit 1991 bereits 1,2 Milliarden Euro an verlorenen Haushaltsmitteln gekostet [vgl. MLV 2010, S. 16].

Selbst die Infrastruktur leidet unter dem Rückgang: Durch die sinkende Auslastung von Trink- und Abwasserleitungen kommt es zu längeren Durchsatzzeiten, stärkeren Verunreinigungen und schnellerer Wiederverkeimung, so dass häufigere Spülungen erforderlich werden, wodurch sich wiederum die Instandhaltungskosten erheblich erhöhen [vgl. Winkel 2011, S. 52]. Im Landkreis Harz tritt dieses Problem vornehmlich in der besonders kleinteiligen Stadt Oberharz am Brocken auf und ist dort unter anderem Gegenstand eines umwelttechnischen Forschungsprojekts am Fachbereich Automatisierung und Informatik der Hochschule Harz.

Wie bereits erwähnt, ist die Entwicklung gleichzeitig aber auch mit großen Chancen für die Zukunft verbunden, da sie das Land dazu zwingt, sich zu einem Zeitpunkt an den demografischen Wandel anzupassen, zu dem sich bundesweit noch Best Practice-Regionen profilieren können. So setzt sich Sachsen-Anhalt heute nicht nur in stärkerem Maße als die meisten anderen Bundesländer für die Etablierung einer modernen Willkommenskultur, für die verstärkte Gewinnung ausländischer Fachkräfte sowie für die mit enormem Aufwand betriebene Rückholung von Auswanderern ein, sondern öffnet sich auch neuen Formen der medizinischen Versorgung, wie beispielsweise dem prototypischen Einsatz von Praxisassistentinnen und –assistenten in hausärztlich unterversorgten Regionen [vgl. MLV 2013, S. 14] oder auch der Ausstattung mobiler Praxen, wie sie etwa im Landkreis Harz bereits zum Einsatz kommen.

Überhaupt könnte Sachsen-Anhalt zu einem Modellland für Gesundheit und moderne Pflege werden: Seit 1991 wurden hier bereits Mittel des Bundes in Höhe von rund 583 Millionen Euro sowie weitere 148 Millionen Euro des Landes und aus privater Hand in die Modernisierung der Pflegeinfrastruktur investiert [vgl. BMG 2010, S. 131] – und eine Vielzahl von Forschungs- und Entwicklungsprojekten an den zwei Universitäten sowie den fünf Fachhochschulen des Landes konnte in den vergangenen Jahren bereits erheblich zum internationalen Stand der Technik im Bereich der Telepflege beitragen (eine Übersicht bietet [Köhler 2014]). Die in dieser Entwicklung liegenden Chancen manifestieren sich in besonderem Maße im Landkreis Harz bzw. in der Region um die Kreisstadt Halberstadt, die im Fokus der weiteren Blgposts unserer kleinen Artikelserie zur Woche der Demografie liegen soll.

Verwendete Quellen

[BMG 2010] Bundesministerium für Gesundheit (BMG) (2010): Aufbau einer modernen Pflegeinfrastruktur in den neuen Bundesländern. Investitionsprogramm nach Art. 52 Pflege-Versicherungsgesetz. Berlin.

[Dinel 2005] Dienel, Christiane (2005): Vision Sachsen-Anhalt 20-xx. Zukunftsperspektiven für nachhaltiges staatliches Handeln. Hg. v. Friedrich-Ebert-Stiftung. nexus-Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung. Magdeburg.

[Haustein und Mischke 2011] Haustein, Thomas; Mischke, Johanna (2011): Ältere Menschen in Deutschland und der EU. Unter Mitarbeit von Johanna Mischke und Susanne Hagenkort-Rieger. Statistisches Bundesamt. Wiesbaden.

[Hübner et al. 2013] Hübner, Gundula; Hahn, Christiane; Mau, Wilfried; Treichel, Sabine (2013): Technikgestützte Pflege-Assistenzsysteme und rehabilitativ-soziale Integration unter dem starken demografischen Wandel in Sachsen-Anhalt. Abschlussbericht zum Teilprojekt Modul II. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Halle.

[Köhler 2014] Köhler, Benjamin; Maue, Isabell; Pasternack, Peer (2014): Sachsen Anhalt – Forschungslandkarte Demografie. Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg (HoF). Halle-Wittenberg.

[Maretzke 2011] Maretzke, Steffen (2011): Die demografischen Herausforderungen Deutschlands konzentrieren sich auf die ostdeutschen Regionen. Wesentliche Strukturen und Trends der demografischen Entwicklung seit 1990. In: Demografische Spuren des ostdeutschen Transformationsprozesses. 20 Jahre deutsche Einheit. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Bonn, S. 12–27.

[MLV 2010] Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt (2010): Nachhaltige Bevölkerungspolitik in Sachsen-Anhalt. Magdeburg.

[MLV 2013] Stabsstelle für demografische Entwicklung und Prognosen des Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt (2013): Den demografischen Wandel gestalten. Berichterstattung an den Landtag von Sachsen-Anhalt. Magdeburg.

[Scholz 2011] Scholz, Rembrandt (2011): Die Lebenserwartung – eine Erfolgsgeschichte der demografischen Entwicklung in den Neuen Ländern. In: Demografische Spuren des ostdeutschen Transformationsprozesses. 20 Jahre deutsche Einheit. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Bonn, S. 28–38.

[Winkel 2011] Winkel, Rainer (2011): Die Wirkungen der demografischen Veränderungen im ostdeutschen Transformationsprozess auf die Daseinsvorsorge. In: Demografische Spuren des ostdeutschen Transformations- prozesses. 20 Jahre deutsche Einheit. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Bonn, S. 51–55.

Jahresrückblick auf die Arbeit der Senioren-Technik-Beratungsstelle

Im März des vergangenen Jahres wurde in Halberstadt eine BMBF-geförderte Senioren-Technik-Beratungsstelle – eine von nur 22 derartigen Beratungsstellen bundesweit – eröffnet, die von der Stadtverwaltung getragen und deren Arbeit von der Hochschule Harz wissenschaftlich begleitet wird. Mittlerweile wird das Angebot dieser Beratungsstelle – auch dank der unermüdlichen Arbeit des Beratungsstellen-Leiters Uwe Witczak – sehr gut angenommen und ist unter anderem Gegenstand regelmäßiger Berichterstattung im Regionalfernsehen Harz (RFH), wo man mit „Gesund im Harz“ ein eigenes Format rund um AAL, Demografie und Pflege ins Leben gerufen hat. In der siebten und aktuellsten Ausgabe von „Gesund im Harz“ wirft der RFH einen Blick zurück auf die Arbeit der Beratungsstelle im vergangenen Jahr und liefert damit einen guten Einblick in die vielfältigen Aktivitäten, die sich in Halberstadt – neben SEVIP&V – in diesem wichtigen Themenfeld entfalten. Alle bislang erschienenen Ausgaben von „Gesund im Harz“ finden sich übrigens hier.

Mehr Informationen zu den Angeboten des Senioren-Technik-Beratungszentrums Halberstadt finden sich hier.

Erfolgreicher Start für Halberstädter Demografie-Projekt

Eine große Chance für Halberstadt und das Land Sachsen-Anhalt – so charakterisierte Gastredner Theo Struhkamp in seinem gestrigen Grußwort das jüngst in der Kreisstadt gestartete Projekt SEVIP&V (Sektorübergreifende Versorgung in Pflege und Vorsorge). Vor mehr als 50 Gästen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung, die der Einladung zum Projekt-Kick-off ins Halberstädter Rathaus gefolgt waren, betonte der in der Staatskanzlei für Breitband-Ausbau und Europapolitik zuständige Referatsleiter die enorme Bedeutung, die der demografische Wandel für die Zukunft Sachsen-Anhalts haben wird, und forderte die Anwesenden auf, sich mit ihren Ideen in die Suche nach Lösungen einzubringen.

Eine Aufforderung, der sich Thomas Rimpler als Leiter des Unternehmerbüros der Stadt nur anschließen konnte: „Ich bin fest davon überzeugt, dass insbesondere die Unternehmen vor Ort von dem nun angestoßenen Diskussionsprozess profitieren werden.“ Unternehmerinnen und Unternehmer könnten sich in den folgenden sechs Monaten mit ihren Konzepten an der Erarbeitung einer Demografie- und Pflegestrategie für Halberstadt und die nähere Region beteiligen, und sich dabei kostenfrei von Experten verschiedener Fachgebiete aus vier Hochschulen beraten lassen. Gelingt dem durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten Projekt 2015 der Sprung auf die nächste Förderstufe, stünden teilnehmenden Unternehmen sogar bis zu fünf Millionen Euro Fördermittel für die Realisierung ihrer Ideen zur Verfügung. „Die Ideenpalette reicht derzeit von technischen Assistenzsystemen für Pflegekräfte bis hin zu Unterstützungsnetzwerken für pflegende Angehörige“, so Thomas Rimpler weiter.

Neben der heimischen Wirtschaft und Vertretern aus Staatskanzlei und Sozialministerium sowie Professorinnen und Professoren der Otto von Guericke-Universität Magdeburg, der Martin Luther-Universität Halle und der Hochschule Harz, waren auch Unternehmen aus weiter entfernt liegenden Regionen vertreten. Norbert Rebmann und Andreas Haupt vom Pflegenetzwerk Xpertcooperation – einem der Ideengeber des Projekts – nahmen für den Kick-off sogar den weiten Weg von Stuttgart nach Halberstadt auf sich. Über die positive Resonanz auf die Einladung freut sich auch Projektleiterin Antje Hoffleit: „Das unternehmerische und wissenschaftliche Potential des hier entstehenden Netzwerkes ist schon jetzt beeindruckend“, so die Magdeburger Arbeitswissenschaftlerin, die sich den Gästen als „Wahl-Halberstädterin“ vorstellte. Hoffleit betonte, dass Unternehmen, die sich in den nächsten Wochen noch zur Teilnahme entschlössen, jederzeit im Projekt einsteigen könnten: „Wir freuen uns über Know-How, Erfahrungen und frische Ideen für die Pflege.“

Über die Detailziele des SEVIP&V-Projekts, die Zusammensetzung der Arbeitsgruppen sowie erste Ergebnisse werden Interessenten sich in einigen Tagen unter www.pflegenetzwerk-halberstadt.de informieren können. Der Internetauftritt des Projekts wird allen Pflegeprofis, allen pflegenden Angehörigen sowie natürlich allen Pflegebedürftigen darüber hinaus die Möglichkeit geben, sich mit eigenen Anregungen und Wünschen in die Diskussion über die Zukunft der Pflege in und um Halberstadt einzubringen.

Kick-Off-Vortrag

SEVIP&V-Kick-off am 10.11.2014: Thomas Rimpler vom Unternehmerbüro der Stadt appellierte vor allem an die Unternehmen, sich an SEVIP&V zu beteiligen. Sein Vortrag wird dabei von Gebärdendolmetscher Uwe-Friedrich Albrecht barrierefrei übersetzt.

Projekt soll Pflege-Strategie für Halberstadt erarbeiten

Pflegewordle

Der demografische Wandel stellt viele Städte und Kommunen in Sachsen-Anhalt – darunter auch Halberstadt – vor große Herausforderungen. So wird sich etwa bis zum Jahr 2030 der Anteil der Halberstädter Bürgerinnen und Bürger mit einem Alter von mehr als 80 Jahren von derzeit 6% der Einwohnerschaft auf mehr als 10% nahezu verdoppeln, während zeitgleich immer weniger junge Menschen für die Arbeit im Gesundheitswesen – von der Hausarztpraxis bis hin zum Pflegedienst – zur Verfügung stehen. Wie Stadtverwaltung und regionale Gesundheitswirtschaft dieser Herausforderung begegnen können, ist die zentrale Frage eines noch im November startenden Strategieprojekts der Stadtverwaltung. Im Rahmen des durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten F&E-Vorhabens SEVIP&V (Sektorübergreifende Vernetzung in Pflege und Versorgung) soll in den kommenden sechs Monaten eine entsprechende Strategie für die Kreisstadt erarbeitet werden. Hierzu werden sieben Arbeitsgruppen zu Themen wie der Vernetzung von Pflege und Angehörigen, zur technischen Unterstützung der häuslichen Pflege oder auch zur Optimierung von Versorgungsprozessen gebildet und durch Experten aus Wirtschaft und Forschung besetzt.

„Über die großzügige finanzielle Unterstützung des Projektes durch das BMBF sowie das bereits im Vorfeld große Teilnahmeinteresse freuen wir uns natürlich ungemein“, so Thomas Rimpler, der als Leiter des Unternehmerbüros der Stadt Halberstadt die Koordination von SEVIP&V übernehmen wird. Besonders erfreulich sei auch, dass die gemeinsam mit Pflegeexperten der Stuttgarter Xpert cooperation GmbH, Arbeitsexperten der Magdeburger METOP GmbH sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Hochschule Harz erarbeitete Ideenskizze für Halberstadt bereits in der ersten Förderrunde unter die ersten 20 von 124 Einreichungen gelangte: „Das Ergebnis dieser Bewertung zeigt uns, dass wir mit unseren Ideen und denen unserer Partner bereits auf dem richtigen Weg sind“. Gelingt mit der nun zu erarbeitenden Innovationsstrategie im Rahmen der nächsten Förderrunde der Sprung unter die besten fünf Einreichungen, könnte das BMBF die Umsetzung der Strategie mit bis zu 5 Millionen Euro unterstützen.

Das Projekt wird am kommenden Montag, den 10.11.2014, um 17:00 Uhr im Rahmen einer Kick-Off-Veranstaltung im Ratssaal des Halberstädter Rathauses durch Oberbürgermeister Andreas Henke und Theo Struhkamp als Vertreter der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt im Beisein zahlreicher Gäste aus Verwaltung, Gesundheit, Forschung und Wirtschaft eröffnet. Wer am Kick-Off teilnehmen möchte wird gebeten, sich per E-Mail oder telefonisch an Jörg Willeke aus dem Unternehmerbüro der Stadt zu wenden (03941–551-802 / willeke@halberstadt.de).