Allgemeines

Beratungs-Know-How aus dem Harz im Enzkreis

Kurz notiert: Die Wohnraumberatung des Deutschen Roten Kreuz im Enzkreis in Baden-Württemberg gibt auf ihrer Webseite an, auf Basis des an der Hochschule Harz in Halberstadt entstandenen Buchs „Technikberatung für ältere Menschen“ von Prof. Dr. Birgit Apfelbaum, Nina Efker und Thomas Schatz zu arbeiten. Eine tolle Auszeichnung für die drei Autor*innen – und ein guter Indikator dafür, dass das dem Werk zugrundeliegende BMBF-Programm „Besser leben im Alter durch Technik“ – auch in Halberstadt gibt es ja eine aus diesem Programm hervorgegangene Beratungsstelle – zu in hohem Maße praxisrelevanten Ergebnissen geführt hat.

Wohnraumberatung

Nächste Beratung des BZ Halberstadt am 11.04.2017

Das Beratungszentrum „Besser leben im Alter“ in Halberstadt wird seit dem Auslaufen der Förderung durch das BMBF im Jahr 2015 durch den Verein TECLA e.V. übernommen. Die nächste Beratung findet am 11.04.2017 von 15:00 Uhr bis 16:00 Uhr im Rathaus der Stadt Halberstadt statt.

Kontakt zum Vorsitzenden des TECLA e.V.:

Uwe Witczak
Telefon: 0170 31885-53
E-Mail: witczak-halle@t-online.de

Anfragen oder Hinweise können Sie ebenfalls richten an:

Stadt Halberstadt
Unternehmerbüro / Neue Medien
Jörg Willeke
Telefon: 03941 5518-02
E-Mail: willeke@halberstadt.de

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Abrechnungsbetrug in der Pflege – drohen nun neue Doku-Pflichten?

In der vergangenen Woche war in den Medien auffallend viel von mutmaßlichen Abrechnungsbetrügereien in der Pflege durch die sogenannte „Russenmafia“ zu hören – offenbar wurden durch einige mobile Pflegeanbieter über Jahre hinweg nicht erbrachte oder illegalerweise durch Hilfskräfte ausgeführte Tätigkeiten mit den Kassen abgerechnet. Sollten sich diese Vorwürfe bewahrheiten, liegt es natürlich im Interesse aller sauber arbeitenden Pflegedienste und Pflegekräfte, dass solche Praktiken beendet und die Drahtzieher vor Gericht gestellt werden. Was dagegen überhaupt nicht im Interesse der Pflege liegt, sind neue Dokumentationspflichten, wie sie von einigen politischen Akteuren in den vergangenen Tagen schon medial ins Spiel gebracht wurden.

Bereits heute leidet die gesamte Pflege unter einer deutlich zu hohen Dokumentationslast. So entfallen etwa in der stationären Altenpflege rund 50% der Arbeitszeit auf die Grundpflege, 20% auf die Behandlungspflege – und immerhin schon 30% auf Pflegedokumentation, Besprechungen und logistische Nebentätigkeiten [vgl. Becke et al. 2011, S. 15-16]. In der ambulanten Pflege ist das Verhältnis pflegerischer zu nicht-pflegerischer Tätigkeiten (insbesondere aufgrund der zusätzlichen Fahrtzeiten) sogar noch ungünstiger [vgl. Becke et al. 2011, S. 27]. Im Rahmen unseres SEVIP&V-Projekts kamen Studierende der Hochschule Harz bei Workshops mit Pflegekräften in vier Pflegeeinrichtungen in Halberstadt zu ähnlichen Ergebnissen. Wie durch die Teilnehmerinnen (die Pflege ist weiblich) in allen vier Workshops betont wurde, steigt die Arbeitsfrustration mit dem ebenfalls zunehmenden zeitlichen Anteil der zumeist als fachfremd, lästig und bisweilen auch überflüssig empfundenen Dokumentationstätigkeiten stetig an. Gerade erfahrene Pflegekräfte bedauerten in teils sehr emotionalen Statements, dass sie sich beispielsweise nicht mehr gebührend von Sterbenden verabschieden konnten, weil Dokumentations- und Kontrollpflichten Vorrang eingeräumt werden musste.

Während ein gewisser Dokumentationsumfang in der Pflege vollkommen gerechtfertigt ist, hat die sprunghafte Zunahme der Dokumentations- und Kontrollpflichten in den vergangenen zehn Jahren zu einer für alle Seiten unbefriedigenden Situation geführt: Pflegekräfte sind überarbeitet und frustriert, Patienten und Angehörige verstehen nicht, warum oft kaum Zeit für ihre persönlichen Anliegen verfügbar ist und Mediziner und Kontrolleure sehen sich mit Bergen von Daten konfrontiert, die kaum noch sinnvoll ausgewertet werden können. Der hohe Dokumentationsaufwand erschwert darüber hinaus die Integration selbst gut ausgebildeter Pflegefachkräfte aus dem Ausland, die mit einem anderen, stark patientenbezogenen Verständnis von Pflege hier ankommen, und denen man mühsam vermitteln muss, warum die zwischenmenschliche Komponente der Pflege im Zweifelsfall hinter den Formularen zurückzustehen hat.

Durch das durch die Bundesregierung initiierte Projekt zur Entbürokratisierung der Pflege sowie eine ganze Reihe neuer, IT-gestützter Dokumentationsanwendungen bewegt sich das Verhältnis von Pflegezeit zu Dokumentationszeit seit kurzem wieder – in kleinen Schritten – in die richtige Richtung. Hoffen wir, dass der medial stark rezipierte Skandal um den Abrechnungsbetrug der „Russenmafia“ nicht dazu führt, dass die Politik der Pflege neue Dokumentationslasten aufbürdet. Sollte man am Ende zu der Überzeugung gelangen, dass eine verstärkte Kontrolle insbesondere ambulanter Pflegeleistungen erforderlich ist, sollte diese nach Möglichkeit nicht über noch mehr Formulare und Berichte, sondern über zusätzliche Untersuchungen an und Gespräche mit Patientinnen und Patienten erfolgen. Darüber hinaus liegt es an der Politik, die Rahmenbedingungen für Pflege so zu gestalten, dass gute und fair bezahlte Pflege sich am Markt besser gegen „Billigheimer“ mit fragwürdigen Abrechnungspraktiken behaupten kann.

Quellen

[Becke et al. 2011] Becke, Guido; Bleses, Peter; Gundert, Hannah; Wetjen, Anna (2011):Trendreport ambulante soziale Unterstützungsdienstleistungen im Alter – arbeitswissenschaftliche Perspektiven. Universität Bremen. Bremen.

 

Workshop zur Vereinbarkeit von Berufsleben und Angehörigenpflege

(Pressemitteilung der Hochschule Harz)

Seit einem Jahr beschäftigt sich die an der Hochschule Harz angesiedelte Projektgruppe „LEB Wernigerode“ (Lebenslagenorientiertes Entwicklungs- und Bedarfskonzept) mit der Frage, wie sich Kommunalverwaltungen auf die zunehmende Anzahl von Berufstätigen einstellen sollen, die parallel ältere Angehörige pflegen. In Deutschland sind ca. 15 Prozent aller Beschäftigten in der Angehörigenpflege aktiv; sie wenden dafür 15 bis 35 Stunden pro Woche auf – eine Belastung, die nicht nur Probleme im Beruf, sondern auch ein erhöhtes Krankheitsrisiko zur Folge haben kann.

Gefördert vom Land Sachsen-Anhalt setzt die Stadt Wernigerode die Implementierung einer „pflegesensiblen Verwaltungskultur“ um. Im Rahmen eines gemeinsamen Transfer-Workshops mit Wissenschaftlern der Hochschule Harz wurden nun die wesentlichen Projektergebnisse im Bürgerpark vorgestellt. Das Fachpublikum umfasste rund 40 Vertreterinnen und Vertreter von Kommunal- und Landesverwaltungen, Kranken- und Pflegekassen sowie verschiedener Unternehmen.

Nachdem Thomas Schatz, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Verwaltungswissenschaften, in einem Impulsvortrag die gesetzlichen Rahmenbedingungen vorgestellt hatte, präsentierte Prof. Dr. Birgit Apfelbaum, Hochschullehrerin für Kommunikations- und Sozialwissenschaften in Halberstadt, die Ergebnisse von Interviews und Workshops, die sowohl mit pflegenden Mitarbeitern der Wernigeröder Verwaltung als auch mit dortigen Führungskräften durchgeführt wurden. Dabei zeigte sich deutlich, dass der vorherrschende Wunsch pflegender Beschäftigter nicht etwa in Teilzeitregelungen und beruflichen Auszeiten besteht. Hilfreicher sei eine bessere Vereinbarkeit von Vollzeitarbeit und Pflegetätigkeit durch die Flexibilisierung von Arbeitszeiten. Führungskräfte beschäftigen sich dagegen primär mit der praxistauglichen Gestaltung von Vertretungsregelungen und mit Fragen der Kompensation von nicht vorhersehbaren Arbeitsausfällen. „Um die Familienfreundlichkeit der Verwaltung zu steigern“, so das Fazit der Professorin, „müssen Aspekte der Verwaltungskultur und -organisation in einem koordinierten Prozess verändert werden.“

In einem dritten Vortrag umriss Wernigerodes Hauptamtsleiter Rüdiger Dorff die Maßnahmen, die durch die Stadtverwaltung auf Basis der LEB-Empfehlungen bereits umgesetzt wurden oder noch geplant sind. So sollen sich die Mitarbeiter der Stadt im verwaltungseigenen Intranet über ihre Rechte als pflegende Angehörige informieren können und nach der Benennung einer sogenannten „Pflegepilotin“ eine verwaltungsinterne Ansprechpartnerin haben.

Dorff betonte, dass die Verwaltung die personellen sowie die zeitlichen Investitionen in die Pflegesensibilität nicht nur als Element der Fachkräftesicherung, sondern auch als ein Instrument zur Verringerung krankheitsbedingter Ausfälle betrachte: „Eine dauerhafte Überforderung durch Doppelbelastungen im Berufs- sowie Privatleben führt in vielen Fällen schleichend zu Dauererkrankungen, welche nicht nur das Wohl unserer Beschäftigten, sondern auch die Fähigkeit der Verwaltung gefährden, ihren Aufgaben angemessen gerecht zu werden. Die Deeskalation von Überlastungssituationen ist daher stets im Sinne aller.“

In der abschließenden Diskussionsrunde wurde erneut deutlich, dass ein erster wichtiger Schritt hin zu einer „pflegesensiblen Verwaltung“ in der Ansprache der Führungskräfte sowie in der Schaffung eines Arbeitsklimas besteht, in dem möglichst offen über Belastungen gesprochen werden kann. Zwischen den Gleichstellungsbeauftragten und Personalverantwortlichen der Kommunen, der „Pflegepilotin“ der Stadt Wernigerode sowie dem LEB-Team an der Hochschule Harz wurde weiterführender fachlicher Austausch vereinbart.

LEB-Workshop

Bild (v.l.n.r.): Rüdiger Dorff, Thomas Schatz, Prof. Dr. Birgit Apfelbaum und Jana Diesener beim Workshop zur Vereinbarkeit von Berufsleben und Angehörigenpflege der Projektgruppe „LEB Wernigerode“.

Tag der Demografieforschung an der Hochschule Harz

Demografiewoche

An dieser Stelle möchten wir auf eine Veranstaltung der Hochschule Harz aufmerksam machen, die am 15.04.2015 im Rahmen der durch das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr (MLV) des Landes Sachsen-Anhalt organisierten Demografie-Woche stattfinden wird. Zum „Tag der Demografieforschung“ werden ab 15:00 Uhr in Hörsaal 4.014 auf dem Wernigeröder Hochschulcampus aktuelle Forschungsvorhaben mit Bezug zum demografischen Wandel in einer offenen Vorlesung präsentiert. Vorgestellt werden unter anderem das erste Crowdfunding-Projekt (Silver Clips) der Hochschule, eine eRecruiting-Plattform für ausländische Studierende, Forschungsergebnisse zum Einfluss des demografischen Wandels auf den Tourismus und die Wohnungswirtschaft sowie ein Telepräsenz-Roboter der Senioren-Technik-Beratungsstelle in Wanzleben-Börde. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden sich hier.

Die Teilnahme ist kostenlos. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.


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„Silver Clips“ ist „Projekt des Monats“ im Landes-Demografieportal

SilverClipsPortal

Bereits seit etwas mehr als einem Jahr kann man sich im Demografieportal des Landes Sachsen-Anhalt, das durch das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr betreut wird, über spannende Projekte zur demografischen Entwicklung aus allen Teilen unseres Bundeslandes informieren. Seit einigen Tagen ist mit „Silver Clips“ auch ein hier in Halberstadt beheimatetes Projekt in diesem Portal vertreten. Im Rahmen von „Silver Clips“ versucht ein Team unter der Leitung von Prof. Dr. Birgit Apfelbaum von der Hochschule Harz anhand leitfadengestützter Interviews mit Seniorinnen und Senioren die Frage zu beantworten, wie ältere Menschen optimal dazu motiviert werden können, sich mit moderner Informations- und Kommunikationstechnologie zu befassen. Erfreulicherweise hat es dieses spannende Projekt nun nicht nur in das Demografieportal geschafft, sondern wurde dort sogar als „Projekt des Monats“ ausgezeichnet.

Worum es bei „Silver Clips“ im Detail geht, wird im nachfolgend eingebundenen Video erläutert. Finanziert wurde das Projekt übrigens vollständig mittels eines sogenannten Crowdfundings über die erste deutschsprachige Wissenschafts-Crowdfunding-Plattform Sciencestarter.de. Alle im Rahmen des Projekts entstandenen Kurzvideos lassen sich hier bei YouTube betrachten. Ein entsprechendes Profil für SEVIP&V ist selbstverständlich bereits in Vorbereitung.

Jahresrückblick auf die Arbeit der Senioren-Technik-Beratungsstelle

Im März des vergangenen Jahres wurde in Halberstadt eine BMBF-geförderte Senioren-Technik-Beratungsstelle – eine von nur 22 derartigen Beratungsstellen bundesweit – eröffnet, die von der Stadtverwaltung getragen und deren Arbeit von der Hochschule Harz wissenschaftlich begleitet wird. Mittlerweile wird das Angebot dieser Beratungsstelle – auch dank der unermüdlichen Arbeit des Beratungsstellen-Leiters Uwe Witczak – sehr gut angenommen und ist unter anderem Gegenstand regelmäßiger Berichterstattung im Regionalfernsehen Harz (RFH), wo man mit „Gesund im Harz“ ein eigenes Format rund um AAL, Demografie und Pflege ins Leben gerufen hat. In der siebten und aktuellsten Ausgabe von „Gesund im Harz“ wirft der RFH einen Blick zurück auf die Arbeit der Beratungsstelle im vergangenen Jahr und liefert damit einen guten Einblick in die vielfältigen Aktivitäten, die sich in Halberstadt – neben SEVIP&V – in diesem wichtigen Themenfeld entfalten. Alle bislang erschienenen Ausgaben von „Gesund im Harz“ finden sich übrigens hier.

Mehr Informationen zu den Angeboten des Senioren-Technik-Beratungszentrums Halberstadt finden sich hier.

Kostenfreier Online-Kurs zur Demenzpflege startet im Januar

Coursera

Eines der drängendsten Zukunftsprobleme im Hinblick auf den demografischen Wandel ist sicher die Frage, wie man für die stetig wachsende Anzahl an Demenz- (insbesondere Alzheimer-) Patienten ein dem Krankheitsbild angemessenes und zugleich menschenwürdiges (und die oft stark strapazierten Angehörigen entlastendes) Pflegeangebot sicherstellen kann. Ein am 12. Januar 2015 auf der englischsprachigen Fortbildungs-Plattform Coursera.org beginnender, kostenfrei angebotener und von den Professorinnen Nancy Hodgson und Laura Gitlin geleiteter Online-Kurs („Living with Dementia: Impact on Individuals, Caregivers, Communities and Societies“) der renommierten Johns Hopkins School of Nursing in Baltimore, wird sich über fünf Wochen den pflegepolitischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen von Demenz widmen. Aufgrund der Relevanz des Problemkomplexes für SEVIP&V werden auch einige unserer Teammitglieder an diesem MOOC (Massive Open Online Course – ein Online-Kurs, in dem sich zeitgleich tausende Interessenten aus aller Welt einschreiben können) teilnehmen – und vielleicht ja auch der eine oder andere Leser bzw. die eine oder andere Leserin unseres Projektblogs. Aus unserer Sicht auf jeden Fall ein guter Fortbildungs-Tipp zum Jahresstart:

https://www.coursera.org/course/dementiacare

 

Infografik: Demenz-Fälle nehmen weltweit zu | Statista

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