Pflege

Pflegestützpunkt in Halberstadt eröffnet – Kostenlose Beratung zum Thema Pflege

Andreas Treulieb Pflegestützpunkt

Pflegestützpunkte werden in der Regel von den Kranken- und Pflegekassen auf Initiative eines Bundeslandes eingerichtet und bieten Hilfesuchenden Beratung und Unterstützung. Aufgrund sich häufender Anfragen und Unsicherheiten in Bezug auf die aktuellen gesetzlichen Änderungen, hat der Halberstädter Unternehmer Andreas Treulieb beschlossen, eine solche kostenlose Beratungsstelle einzurichten.

„In letzter Zeit gab es immer häufiger Fragen von Angehörigen: Was mache ich im Pflegefall? Ist es möglich, das meine Angehörigen zu Hause leben? Was genau umfassen Tages- oder Kurzzeitpflege? Häufig wissen die Angehörigen nicht, welche Möglichkeiten es gibt.“, erklärt der Halberstädter den Ursprung seiner Idee.

Seit dem Pflegereformgesetz 2008 gibt es in einigen Bundesländern Pflegestützpunkte, an welche sich Pflegebedürftige und deren Angehörige mit ihren Fragen wenden können. In Halberstadt gab es bis vor kurzem keinen solchen Pflegestützpunkt. Ab sofort biete Andreas Treulieb in der Rudolf-Breitscheid-Str. 52 in Halberstadt eine kostenlose Anlaufstelle für pflegende Angehörige, Pflegebedürftige und Pflegeinteressierte. Sein Team hilft bei der Erhebung des individuellen Pflegebedarfs, klärt über bedarfsgerechte Leistungen der Pflegeversicherung auf und unterstützt bei der MDK Begutachtungen auf Pflegebedürftigkeit. Darüber hinaus berät er kostenlos zu den Themen Pflegehilfsmittel, Wohnraumanpassungsmaßnahmen, mögliche Wohnformen, stationäre und teilstationäre Pflege, Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege. Auch der Umgang mit Personen mit Demenz, Informationen zu Gefahren in der Pflege, wie z. B. Dekubitus, Sturz, Exsikkose sowie die Unterstützung bei Anträgen fällt in den kostenlosen Dienstleistungskatalogs des Pflegefachmanns. Hilfesuchende können sich vorab auch telefonisch unter 03941 5844391 beraten lassen.

Hintergrundinformation:

Seit der Einführung des PNG (Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz) in der ambulanten Pflege zum 1. Januar 2013 sind Änderungen in der Höhe des Pflegegeldes in Kraft getreten. Zweites Pflegestärkungsgesetz: (PSG II) am 13. November 2015 wurden mit der Verabschiedung weitere Anhebungen für Pflegegeld und Pflegesachleistungen beschlossen. Das PSG II ist zum 01.01.2016 in Kraft getreten. Die Pflegestufen werden in 2017 durch die Pflegegrade ersetzt. Pflegegrad 1 kommt neu hinzu. Verschiedene Leistungen wie Tages- und Nacht-, Verhinderungs- und Kurzzeitpflege sind nun besser kombinierbar. Hierdurch ist ein erhöhter Aufklärungsbedarf entstanden.

Unternehmensinformation:

Das Team der Treulieb GmbH um den geschäftsführenden Gesellschafter Andreas Treulieb kann auf umfangreiche Erfahrungswerte im Bereich Pflege zurückgreifen. Der Unternehmensverbund mit seinen im Harz ansässigen Gesellschaften bietet ein umfangreiches Portfolio an Pflegedienstleistungen. Neben klassischen Leistungen wie Hausnotruf, Pflege im betreuten Wohnen oder Dementenbetreuung hat der Halberstädter Unternehmer, Andreas Treulieb, zusätzlich eine eigene Bildungsakademie initiiert.

Ansprechpartner: Herr Andreas Treulieb, Geschäftsführender Gesellschafter (Tel.: 03941 5844391)

Nächste Beratung des BZ Halberstadt am 11.04.2017

Das Beratungszentrum „Besser leben im Alter“ in Halberstadt wird seit dem Auslaufen der Förderung durch das BMBF im Jahr 2015 durch den Verein TECLA e.V. übernommen. Die nächste Beratung findet am 11.04.2017 von 15:00 Uhr bis 16:00 Uhr im Rathaus der Stadt Halberstadt statt.

Kontakt zum Vorsitzenden des TECLA e.V.:

Uwe Witczak
Telefon: 0170 31885-53
E-Mail: witczak-halle@t-online.de

Anfragen oder Hinweise können Sie ebenfalls richten an:

Stadt Halberstadt
Unternehmerbüro / Neue Medien
Jörg Willeke
Telefon: 03941 5518-02
E-Mail: willeke@halberstadt.de

witczak_uwe_3

Welche technischen Hilfsmittel eignen sich für die Demenzpflege?

Coursera

Anfang des Jahres hatten wir hier ja bereits den kostenlosen, fünfwöchigen Online-Kurs zur Zukunft der Demenzpflege an der Johns Hopkins School of Nursing empfohlen. Inzwischen ist dieser Kurs abgeschlossen (wird aber demnächst erneut angeboten werden), wobei neben einigen Kollegen auch ich viel Neues über den Stand der Forschung in der Demenzpflege erfahren habe. Vor dem Hintergrund der Projektziele von SEVIP&V waren natürlich insbesondere die Ausführungen zum Stand der Technik in der Betreuung von Demenzkranken für uns von größtem Interesse. Dabei haben wir unter anderem die folgenden Erkenntnisse gewinnen können:

Über den Nutzen von Technik kann nur auf Einzelfallbasis entschieden werden. Eine der besonderen Herausforderungen der Demenz ist, dass sich Krankheitsbilder und -verläufe von Fall zu Fall sehr stark voneinander unterscheiden können. Demzufolge existieren in der Demenzpflege keine technischen „one size fits all“-Lösungen. Ein Monitoring-System, auf das ein Patient positiv oder mit Nichtbeachtung reagiert, kann einen anderen Patienten stark irritieren und aggressiv abgelehnt werden. Anders formuliert: Nur weil ein technisches Hilfsmittel oder Assistenzsystem in einem Pflegesetting funktioniert, bedeutet dies noch lange nicht, dass es in einem anderen Pflegesetting eine ähnlich gute Wirkung erzielt. An einer Einzelfallauswahl und individuellen Versuchen führt also kein Weg vorbei.

Die Rolle der Technik verändert sich mit dem Fortschreiten der Erkrankung. Welche Hilfsmittel für welchen Fall angemessen sind, bemisst sich auch und gerade am Entwicklungsstand der Erkrankung. Hier ist grundsätzlich in drei Krankheitsstadien und Technikfelder zu unterscheiden:

  • Frühes Stadium: In diesem Stadium haben Betroffene vor allem mit Störungen des Kurzzeitgedächtnisses, Wortfindungsstörungen und Problemen bei der Erfassung komplexer Zusammenhänge zu kämpfen, sind zumeist aber noch selbständig lebensfähig. In dieser Phase sind vor allem solche Hilfsmittel relevant, die Erkrankte bei der Bewältigung des Alltags und damit beim Erhalt der Selbständigkeit unterstützen. Hierzu gehören neben Smart Home-Anwendungen (z.B. Staubsaugeroboter, Herdsensoren oder Überlaufbegrenzern in Waschbecken und Badewannen) und typischen Seniorenprodukten (z.B. Seniorentelefonen mit großen Tasten oder interaktiven Bilderrahmen) auch Systeme, die an die pünktliche Einnahme verschriebener Medikamente erinnern.
  • Mittleres Stadium: In diesem Stadium kommt es zum Auftreten vieler Symptome, die typischerweise mit Demenzerkrankungen assoziiert werden: Depression, Sinnestäuschungen, zielloses Wandern und Schwierigkeiten, Angehörige oder Bekannte zu erkennen. In diesem Stadium sind insbesondere Monitoring-Systeme relevant, die Alarm auslösen, wenn ein Betroffener oder eine Betroffene etwa ein Zimmer oder eine Wohnung verlässt (z.B. Türsensoren oder Türmatten) oder die das Auffinden von Verirrten erleichtern (z.B. GPS- oder RFID-Tracker).
  • Spätes Stadium: In diesem Stadium sind Betroffene nicht mehr alleine lebensfähig und in jedem Fall auf Unterstützung in allen Bereichen des alltäglichen Lebens angewiesen. Im Regelfall tritt ein teilweiser oder vollständiger Sprachverlust sowie ein Kontrollverlust über Körperfunktionen ein. Auch enge Verwandte und ständige Kontaktpersonen werden oft nicht mehr richtig erkannt. Da die Pflege in dieser Phase in den meisten Fällen nicht mehr zuhause möglich ist, werden nun technische Systeme relevant, wie sie in der stationären Pflege auch in einer Vielzahl von anderen Pflegesettings zum Einsatz kommen (z.B. elektronische Pflegedokumentation, kontinuierliches Monitoring von Bewegung und/oder Vitalwerten oder auch Notrufanlagen).

Die Angehörigen sollten bei der Entwicklung von Technik stärker im Vordergrund stehen. Ein Großteil der Demenzkranken im ersten oder zweiten Stadium der Erkrankung wird nicht in Pflegeheimen, sondern durch Angehörige – ggf. mit Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst – in den eigenen vier Wänden gepflegt. Solche informell Pflegenden sind häufig großem Stress und starken emotionalen Belastungen ausgesetzt und haben einen großen Hilfs- und Unterstützungsbedarf, der durch das gegenwärtige Marktangebot an assistiven Systemen zur Demenzpflege nur zu einem geringen Teil abgedeckt wird, da die meisten Entwickler noch zu stark entweder auf den Erkrankten oder auf den professionell Pflegenden fokussieren. Hier existiert eine Bedarfslücke, die bislang nur von wenigen Anbietern ausgefüllt wird. Als Beispiel hierfür seien die Demenzpflege-Apps der IMCare AG genannt, die jedoch nur im englischsprachigen Raum angeboten werden – eine Entsprechung für den deutschsprachigen Raum existiert bislang nicht.

Für das SEVIP&V-Team ergeben sich insbesondere aus dem letzten Aspekt neue Handlungsimpulse: Wie können wir die von uns zu konzeptionierenden Pflegeassistenzsysteme so ausrichten, dass sie zumindest in Teilen auch sinnvoll durch pflegende Angehörige genutzt werden könnten? Welche Hilfs- und Unterstützungsbedarfe haben überhaupt die informell Pflegenden aus unserer Region? Und welche informellen Angehörigennetzwerke existieren bereits, die bei der Konzeptionierung assistiver Systeme unbedingt zu berücksichtigen wären? Fragen über Fragen, mit denen sich das SEVIP&V-Team in den kommenden zwei Wochen noch einmal intensiv auseinandersetzen wird. Jeglicher Input von Betroffenen – seien es Senioren, Pflegekräfte oder pflegende Angehörige – ist uns dabei natürlich stets willkommen.

Demenzfortbildung

Demenz in Sachsen-Anhalt – ein Zukunftsthema

Die Demenz als Krankheitsbild in der Altenpflege ist weltweit – insbesondere in Schwellenländern mit steigender Lebenserwartung – auf dem Vormarsch: Im Jahr 2050 wird es Prognosen zufolge allein in China mehr demenzkranke Menschen geben (66 Millionen), als Frankreich Einwohner hat. Für Deutschland geht man bis zum gleichen Jahr von einer Verdoppelung der derzeit rund 1,4 Millionen Demenzfälle auf dann fast 3 Millionen Erkrankte aus, die sich jedoch nicht gleichmäßig verteilen werden. Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie ernst das Problem insbesondere für Sachsen-Anhalt ist, reicht ein vergleichender Blick auf die aktuellen Demenzraten in Bund und Land.

Von 80.767.000 Bundesbürgerinnen und -bürgern sind derzeit (Zahlen aus 2014) etwa 1.400.000 an Demenz erkrankt, d.h. 1,73%. Betrachtet man im Vergleich diese nach Bundesländern aufgeschlüsselte Demenz-Statistik der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft (DAlzG) aus dem Jahr 2012, so wird ersichtlich, dass es bereits vor drei Jahren 95.040 erfasste Demenzfälle in Sachsen-Anhalt gab – bei (damals noch) 2.310.000 Einwohnern. Die Demenzrate liegt in Sachsen-Anhalt also bei 4,11% – und übersteigt den Bundesdurchschnitt damit um mehr als das Doppelte. Eine Entwicklung, die sich angesichts der demografischen Prognosen für unser Bundesland mit Sicherheit nicht umkehren lassen wird, wenngleich auch mit der zunehmenden Überalterung von einer gewissen Sättigung der Demenzraten auszugehen ist (die in Sachsen-Anhalt aber noch lange nicht erreicht ist und auch in den nächsten Jahrzehnten nicht erreicht wird).

Die Zahlen machen deutlich, warum die Entwicklung moderner Demenzpflegekonzepte gerade für Sachsen-Anhalt von herausragender Bedeutung ist. Diesen Umstand berücksichtigen wir natürlich auch im Rahmen des Projekts SEVIP&V – unter anderem bei der Auswahl geeigneter Assistenzsysteme sowie bei der Erarbeitung von Schulungskonzepten für professionelle Pflegekräfte sowie für pflegende Angehörige. Mit der HUMANAS-Gruppe beteiligt sich darüber hinaus ein Pflegedienstleister an den Arbeitsgruppen, der sich hier in der Region (in Darlingerode) auf die würdevolle Betreuung von Demenzkranken – ohne eine Abschottung von anderen Patienten oder der Außenwelt – spezialisiert hat. Einen guten Eindruck vom Stand der Demenzpflege in Sachsen-Anhalt vermittelt außerdem der nachfolgend eingebundene Bericht über das 2011 in Magdeburg eröffnete Vitanas-Demenzzentrum.

Ein überzeugendes Beispiel für den Wert biografieorientierter Pflege

In meinen Gesprächen mit Pflegekräften und Pflegeplanern im Rahmen der diversen Demografie- und AAL-Projekte, die ich an der Hochschule Harz bislang begleiten durfte und darf, spielt der Wunsch nach einer stärkeren Berücksichtigung der Prinzipien der biografieorientierten Pflege eine spürbar zunehmende Rolle. Dabei ist auch ein Abrücken von der Vorstellung erkennbar, biografieorientierte Pflege primär als Ansatz für die Demenzpflege zu betrachten. Natürlich trifft es zu, dass gerade viele demenzkranke Menschen stärker in der Vergangenheit als in der Gegenwart verhaftet sind, und die Bezugnahme auf biografische Aspekte (wie etwa die Arbeit mit Familienfotos) Pflegekräften sehr dabei helfen kann, einen persönlichen Zugang zu den Betreuten zu schaffen. Auch nicht-demenzkranke Pflegefälle profitieren jedoch enorm davon, wenn Pflegeleistungen nicht mehr nach einem unflexiblen Schema erbracht werden, sondern Rücksicht auf individuelle Erfahrungen, Wünsche und Bedürfnisse genommen werden kann.

So fällt es etwa einer Person, die ihr ganzes Leben lang selbständig gearbeitet hat, natürlich ganz besonders schwer, Eigenständigkeit und Verantwortung an Pflegekräfte abzugeben – und während ein Familienmensch sich vor Einsamkeit im Alter fürchten mag, und sich deshalb sehr gerne ein Pflegezimmer mit anderen teilt, kann genau diese Gesellschaft von einem anderen Pflegefall, der bereits die letzten Jahrzehnte für sich allein gelebt hat, geradezu als eine Strafe und erhebliche Einschränkung der persönlichen Lebensqualität empfunden werden.

Abseits dieser gängigen Beispiele für biografieorientierte Pflege, hatte ich vor einigen Wochen beim 14. Schnittstellenseminar des Berliner Projekts zum Thema “Umgang mit chronischen Wunden in der stationären Altenpflege” – zu dem ich einen Vortrag zu den Rahmenbedingungen für digitale Wunddokumentation beisteuern durfte – die Chance, einem Vortrag von Heike Senge beizuwohnen, die die Pflegeakademie Niederrhein leitet. In ihrem Vortrag berichtete Frau Senge von einem äußerst bedrückenden Fall aus einer von ihr beratenen Einrichtung: Ein älterer Herr, der bereits seit Jahrzehnten unter einer vermeintlich längst austherapierten Inkontinenz litt, und deshalb im Leben auf Familiengründung und Karriere verzichtet und zurückgezogen vor sich hin gelebt hatte, kam in eben diese Einrichtung, in der ihm innerhalb weniger Wochen die Inkontinenz weitgehend abtrainiert wurde. Das eigentlich positive Ergebnis professioneller Pflege stürzte den Mann jedoch in schwere Depressionen, resultierend aus dem Eindruck, zeitlebens sinnlos persönlichen Verzicht geübt und aus unnötiger Scham Distanz zu anderen gewahrt zu haben.

Die Anekdote unterstreicht, dass biografieorientierte Pflege sich nicht nur auf allgemeine Arrangements und den persönlichen Umgang miteinander beschränken muss – vielmehr können sogar medizinisch sinnvolle Maßnahmen vor dem Hintergrund biografischer Kenntnisse kritisch hinterfragt werden. Inwiefern technische Assistenzsysteme einen derartigen Pflegeansatz unterstützen können, wird sicher noch Gegenstand anstehender Sitzungen der Arbeitsgruppe Technik werden – es dürfte jedoch feststehen, dass die gerade für die biografieorientierte Pflege unerlässlichen zwischenmenschlichen Qualitäten durch Technik höchstens ergänzt, nicht aber ersetzt werden können.

Der Foliensatz meines Vortrags über die Chancen der digitalen Wunddokumentation beim 14. Schnittstellenseminar.